Mönchsgut St.Alban

Neben den bekannten und heute teilweise noch vorhandenen Gutshöfen außerhalb der Ortslage hat es auch im Ort selbst größere Höfe gegeben. Einer von Ihnen war der sogenannte Mönchshof des St. Albansstiftes zu Mainz, gleich neben der Leeheimer Kirche gelegen. Teile des Hofes, es ist die heutige Hofreite von Werner Wald in der Kirchstr. 5, sind heute noch vorhanden.

St. Alban ist der Patron der Leeheimer Kirche. An ihn erinnert noch der Altarschrein aus der um 1620 abgebrochen ehemaligen Kirche, der 1968 in der jetzigen Kirche auf dem Altar aufgebaut wurde.

Das Mönchsgut des St. Albansstiftes in Mainz hatte sich in Leeheim schon einige hundert Jahre nach der erstmaligen urkundlichen Erwähnung von Leeheim gebildet.

Bereits am 21.11.1184 bestätigte Papst Lucius dem St. Albanstift in Mainz seine sämtlichen Schenkungen, Besitzungen und Privilegien in Leeheim.

1186 verglich sich Heinrich, Abt zu St. Alban zu Mainz mit dem Kloster Eberbach wegen eines unbebauten Stückes Land in Leeheim.

1238 war ein Zeugenverhör wegen eines zwischen dem St. Albansstift und dem Kloster Eberbach strittigen Flussbettes in Leeheim, das Meer genannt.

1327 wiesen Sybold, Abt, und Hartmann, Prior des St. Albansklosters zu Mainz, ihren "Conventualen zu ihrem besseren Unterhalte auch gewisse Gefälle und Einkünfte zu Leeheim an".

1341 wurde die Leeheimer Pfarrkirche durch den Erzbischof Heinrich von Mainz, dem Kloster St. Alban zu Mainz zugewiesen.

1402 wurde gleiches von Papst Bonifatius IX. bestätigt.

1552 wurden die Gefälle des St. Albansstiftes zu Leeheim und Stockstadt, beschlagnahmt. Demzufolge hatte das St. Albansstift in Mainz auch Grundbesitz in Stockstadt, 

1597 lag das St. Albansstift mit Landgraf Georg I. im Streit um die Bestellung des Schultheißen zu Leeheim. Es war Barthold (Barth) Seypell, Sohn von Georg Seypell, der zuvor Schultheiß war.

1715 werden 500 Morgen Ackerland aus dem Mönchsgut an 38 Leeheimer Einwohner verpachtet. Unter den Pächtern sind viele heute noch in Leeheim vorhandene Familiennamen zu finden.

Der überlieferte Text einer Urkunde besagt über diese Verpachtung:

"Specification derjenigen welche das herrschaftliche Leeheimer Mönchguth anjetzo in Pacht haben".
Daran haben wie volget:

Name Morgen Viertel
Stoffel Noldt 22 2
Hans Stoffel Noldt 15 0
Johann Weber 22 2
Johs. Ganss der jung 22 2
Conradt Pettri 7 2
Nickel Reinhardt 7 2
Joh. Georg Noldt 11 1
Petter Gorchen 30 0
Petter Dörr 11 1
Daniel Schneider 7 2
Hans best Weiss 7 2
Henrich Bun 22 2
Wendel Bun 7 2
Johan Petter Ewald 15 0
Johannes Ewalt 22 2
Name Morgen Viertel
Nickel Melchior 15 0
Joh. Jacob Wiesenäcker 15 0
Michel Bun 7 2
Johan Schrodt 15 0
Petter Gans der jung 15 0
Hr. Oberschultheis 15 0
Johannes Zinsch 15 0
Stoffel Rein 15 0
Joh. Georg Weber 7 2
Jacob Dörr 11 1
Jacob Seyppel 7 2
Joh. Daniel Späthen Ww. 7 2
Daniel Leffler 3 3
Johannes Freudag 3 3
Heinrich Lumbardt 11 1

1784 wurde das Gut von den Zehntschöffen Metzger von Dornheim und Senßfelder von Berkach gemeinsam mit dem Oberschultheißen Kreiling und vier Obmänner des Mönchsgutes besichtigt. Es wurden 409 Morgen und 1 4/5 Viertel Ackerland als Bestand und abgabenpflichtig für den Zehnten, die damalige Steuer bzw. Besitzabgabe, festgestellt.

Neuverpachtungen der Felder und Erhöhung der Pachtpreise scheiterten immer an der Einigkeit der Leeheimer. Es wurden keine Überbietungen vorgenommen. So blieb es bei den seitherigen Verpachtungen bzw. es wurden Auswechslungen mit anderen Leeheimer Bewerbern vorgenommen.

Inzwischen war das Mönchsgut 1803 aus dem Besitz des St. Albansstift in das Eigentum des Großherzogtums Hessen übergegangen. Der Eigentumswechsel war eine Folge der Aufhebung der geistlichen Herrschaftsgebiete im Reich (Säkularisierung)

Der neue Eigentümer, betrieb einen Verkauf des Gutes. Jedenfalls wollte man damit die leere Staatskasse sanieren.

Am 21.1.1810 wurde das Gut ausgeboten. Nicht ein einziges Gebot war eingegangen. Ein Verkauf konnte nicht stattfinden. Auch bei einer 7 Monate später angesetzten Versteigerung ging es ähnlich zu, es fand sich kein Bieter bzw. Steigerer ein.

Wer die Hofreite in dieser oder bis zu dieser Zeit genutzt hatte ist nicht überliefert. Sie war ab dem 1.1.1830 bis 31.12.1838 an Daniel Winter Ww. verpachtet worden.

Der Bestand der Hofreite wurde beschrieben mit:

a) aus einem geringen Wohnhaus mit Stall
b) aus einem Schweinestall
c) aus einer isoliert im Hof stehenden hölzernen Scheune
d) aus drei dergleichen auf der Seite
e) aus einem Hausgarten von einem Morgen und 3/4 und 81 Klaftern

Die drei unter d) beschriebenen Scheunen waren bis zum Jahr 1832 für die Einscheuerung des herrschaftlichen Zehnten verwendet worden. Sie wurden ab diesem Zeitpunkt jährlich neu verpachtet. Inwieweit die Verpachtung der Scheunen und auch der übrigen Gebäude weitergeführt wurde, nachdem der Fruchthändler Kertel aus Mainz die gesamte Hofreite 1834 erwarb auch, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Er wird in den überlieferten Unterlagen auch als Abgeordneter aufgeführt, der die Veräußerung des Mönchsgutes in Leeheim immer wieder gefordert hat.

Feststehen dürfte, dass auch die weiter unten aufgeführten Eigentümer die Nutzung nicht selbst vorgenommen hatten, die Gebäude waren wohl, in welcher Art auch immer, verpachtet oder vermietet.

So waren 1887 in dem Wohnhaus Räume für die neu gegründeten Kleinkinderschule angemietet worden. Sie dienten diesem Zweck bis 1895 als die 1894 erstellten neuen Räume der Kinderschule, dem späteren Kindergarten, in der Kinderschulgasse, eingeweiht wurden. Betreiber der Einrichtung war die Evangelische Kirchengemeinde in Leeheim.

Die Vorfahren des jetzigen Besitzers übernahmen 1874 die Hofreite zum Eigentum und gründeten und betrieben in der Hofreite eine Landwirtschaft die bis in die heutige Zeit weiter geführt wird. 

Von den der Albanischen Hofreite noch zugehörigen Gebäuden sind neben dem Wohnhaus noch eine der unter d) aufgeführten Scheunen zu finden. Eine Inschrift über dem Scheunentor ELLZH (Ernst Ludwig Landgraf zu Hessen) gibt heute noch Zeugnis über die frühere Verwendung des Gebäudes.

Nach dem St. Albansstiftes zu Mainz bzw. des Großherzogtums Hessen waren Eigentümer des St. Albanshofes:

ab 1834 Johannes Kertel aus Mainz
ab 1837 Graf Görtz zu Schlitz
ab 1840 Peter Luley
ab 1851 Löb Streng
ab 1874 Georg Wald 1.
ab 1906 Georg Wald 2.
ab 1935 Georg Wald 3.
ab 1969 Georg Wald jun.
ab 2003 Werner Wald

 

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