Riedhäuser Hof

Mit der Geschichte von Leeheim ist der Riedhäuser Hof, er liegt in der Gemarkung Dornheim, sehr eng verbunden. Der Hof gehörte verwaltungsmäßig zur Leeheimer Kirche und wurde von dieser auch lange Jahre betreut. Für die Pfarrbesoldung hatte der Hof, genau wie auch der in der Gemarkung Erfelden gelegene Bensheimer Hof seinen Tribut zu erbringen und in den Personenstandsurkunden der Leeheimer Kirchengemeinde werden die Bewohner des Hofes aufgeführt.

Er war wie der Hof Hayna und der Bensheimer Hof ein Mönchshof und wurde bereits 1159 urkundlich erwähnt.

Damals bestätigte Erzbischof Arnold zu Mainz den Verkauf von Gütern welche die Grafen Siegfried und Gerlach von Nuringen sowie einige ihrer Ministralien zu Riedhausen und Himmenhausen besaßen.

Zur gleichen Zeit wurde auch der Umtausch einiger Grundstücke in Riedhausen gegen Grundstücke zu Ginnenheim, Stirstett und Croftele zu Gunsten des Klosters Ilmenstadt, welchem zu dieser Zeit der Hof "Rithausen" gehörte, erwähnt.

Das Hofgut Riedhausen scheint, wie viele Güter der damaligen Zeit, Krongut der Karolinger gewesen zu sein und war als Lehen an die Grafen von Nuringen gekommen.

Sein Name "Riedhausen" wird zu den Häuseren gehörig, gedeutet.

Ein weiterer Hof in der Gemarkung Dornheim war Himmenhausen. Heimatforscher Heinrich Feldmann berichtete, dass der Standort dieses Hofes nordwestlich des Riedhäuserhofes in Richtung Wallerstädten gewesen sei. Näheres ist jedoch nicht überliefert.

Am 29. Januar 1166 bestätigte Kaiser Friedrich I., Graf Gerhard von Nuringen, die Übergabe seiner Güter in Riedhausen an das Kloster Ilbenstadt. Zwei Jahre später verglich Erzbischof Christian zu Mainz das St. Albansstift in Mainz und das Kloster Ilbenstadt in der Wetterau über den Zehnten zu Riedhausen dahin, dass das St. Albanstift in Mainz 46 Malter Korn, 10 Malter Gerste und 10 Malter Hafer erhalten solle. Weiterhin wurde festgelegt, dass für die Pfarrerbesoldung in Leeheim jährlich 6 Malter Frucht zu geben sind.

Im März 1250 verkaufte das Kloster Ilbenstadt mit der Zustimmung des Erzbischofes Christian zu Mainz, seinen gesamten Besitz des Riedhäuserhofes an das Kloster Eberbach. Das Kloster Ilbenstadt verzichtete mit diesem Kaufvertrag auf alle Rechte welche ihm aus dem Besitz des Hofes Riedhausen zugestanden haben.

Das Kloster Eberbach hat seinen Besitz hier in der Riedgegend, zu dem bereits der Hof-Hayna und der Bensheimer Hof gehörten, durch den Zukauf des Riedhäuserhofes beträchtlich vergrößert.

Rechte an dem Riedhäuser Hof besaßen auch die Herren von Wolfskehlen sowie die Gerichtsschöffen aus Frankfurt die aber in der Folgezeit alle durch Schenkungen und durch Verzichte abgelöst wurden.

Ab 1401 wurden von Kaiser Ruprecht und Friedrich III Ländereien aus dem Riedhäuser Hof an die Herren Kopp von Saulheim und dem ans Scharfenstein, verliehen. Im 16. Jahrhundert übernahm die Landgräfliche Herrschaft das Recht des Zehnten aus dem Hofe Riedhausen.

Die Größe des Hofes wird in einer steuerlichen Verpflichtung aus dem Jahr 1645 mit 443 Morgen angegeben.

Bemerkenswert aus der Geschichte des Hofes ist die Verpflichtung des Riedhäuserhofes jährlich einen Beschälhengst auf den klösterlichen Weiden des Hofes zu halten. Aus dieser Verpflichtung entstand im Verlaufe der Jahre eine Deckstation des Hessischen Landesgestütes die bis in die jüngste Zeit für die Landwirtschaft und besonders für die Pferdezüchter des Riedgebietes eine besondere Bedeutung hatte.

Dornheim wurde Sitz dieser Station und die Einwohnerschaft hatte schon in frühester Zeit bestimmte Rechte aus dieser Station erhalten. Die Dornheimer hatten keine Kosten für das Decken ihrer Muttertiere zu zahlen.

1720 wurde die Station vom Riedhäuserhof in die Ortslage von Dornheim verlegt. Immer im Frühjahr trafen die Hengste vom landgräflichen Marstall in Dornheim ein und blieben über die gesamte Deckzeit in der Dornheimer Station stehen. Das erforderliche Pflegepersonal kam mit den Tieren und bezog Wohnung in der Gemeinde. Der Einzug der Hengste war immer mit einer Festlichkeit für die Landwirtschaft verbunden. Es fand jährlich eine Stutenkörung statt die mit großem Interesse von der Bevölkerung begleitet wurde.

Auch die in den letzten Jahren auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins in Dornheim stattfindende "Füllimbs" ist auf die Tradition des Hofes zurück zuführen. Nach altem Recht haben die Hofleute der Gemeinde Dornheim und ihrer Einwohner einmal im Jahr, am Pfingstmontag, eine fest beschriebene Mahlzeit zu geben. Sie wurde von der Hofherrschaft nicht immer gerne und pünktlich gegeben und oftmals mussten die Schultheißen in Zeiten in denen die Mahlzeit durch die Zahlung eines bestimmten Betrages an die Gemeindekasse abgelöst worden war, immer wieder auf die Zahlungserfüllung drängen. Aus einer alten Urkunde hatte Heinrich Feldmann berichtet und das Ausmaß der Füllimbs mit 1 Schüssel Pfeffer, einem Pott Dörrfleisch mit Käse, Brot und einem großen Pfannkuchen beschrieben.

Es muss manchmal bei dieser Füllimbs auch toll hergegangen sein was dazu führte, dass in manchen Jahren das Recht von den Hofleuten mit Geld an die Gemeindekasse abbezahlt wurde.

Wie lange der Hof insgesamt bewirtschaftet wurde ist nicht genau überliefert. Es wird immer wieder von Verpachtungen bestimmter Teilflächen und von Verhandlungen über die Pachthöhen berichtet.

Nachdem das Hofgut Riedhausen durch den Luneviller Frieden in den Besitz des Hessischen Staates gelangt war, wurden die Verpachtungen des Hofes neu geordnet.

So hat Rentmeister Müller aus Stockstadt, am 1. Juli 1803 von dem früher dem Kloster Eberbach gehörenden und jetzt von der landgräflichen Verwaltung verwalteten Riedhäuser Hof berichtet.

Der Hof hatte damals eine Größe von 708 Morgen und bestand neben der großen Hofreite von vier Morgen aus Ackerland und Wiesen. Als Pächter aus der damaligen Zeit werden Jakob Wetzel und Philipp Wetzel bzw. dessen Witwe genannt. Als weiterer Pächter war Adam Kirchhöfer der mit 11 weiteren Dornheimer Einwohnern insgesamt 124 Morgen Land gepachtet hatte.

Eine geschlossene Bewirtschaftung des gesamten Gutes, so wie wir es aus der Geschichte des Hof Hayna oder des Bensheimerhofes kennen hat es beim Riedhäuser Hof nicht mehr gegeben.

Die Pächter von Teilflächen wechselten oft. Die Hofreite selbst mit einem bestimmten Ackerbestand war gesondert verpachtet.

Der Gebäudebestand war recht beträchtlich. Ein geräumiges Wohnhaus, vier Scheunen, einen Kuh- und Schweinestall, das Backhaus und den Herrenspeicher ein geräumiger mehrgeschossiger Bau.

Die Unsicherheit der Pachtverhältnisse und auch vielleicht das Desinteresse der Eigentümer hatte dazu beigetragen, dass die Gebäude von jeher nicht im besten Zustand waren. Wohl war die Tradition der Gebäude erkennbar an den überall im Mauerwerk eingelassenen Eberbach'chen Wappen. Doch was nützte dies, wenn durch Unterlassungen ein steter Verfall vorgezeichnet war.

Mit einem Siedlungsverfahren in der Dornheimer Gemarkung wurde der Riedhäuser Hof mit einem Bestand von 280 Morgen an Äckern und Wiesen an Daniel Edler aus Trebur im Jahr 1937/1938 übereignet. Der neue Eigentümer bewirtschaftete den Hof zunächst von Trebur aus und siedelte 1941 in die Gebäude um. Somit war wieder die Gewähr für eine ordentliche Nutzung des gesamten Hofes gegeben.

Die Kriegszeit mit all ihren Folgen brachte viele Schwierigkeiten für den neuen Eigentümer. Der Betrieb wurde zunächst weiter geführt doch um 1965 an den jetzigen Eigentümer, die Familie Schmidt, mit Ausnahme einiger Ackergrundstücke, veräußert.

Heute wird dort Landwirtschaft nach den jetzigen Erkenntnissen geführt. Die Tradition des Hofes ist nicht verloren gegangen. Sie lebt weiter. Die großen Gebäude erinnern an frühere Zeiten und daran, dass der Riedhäuser Hof einmal einen Betrieb von ansehnlicher Größe beherbergte.

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