Hof Hayna

Der Hof Hayna, eine Gründung des Klosters Eberbach, war der erste Klosterhof und somit auch der erste landwirtschaftliche Wirtschaftsbetrieb der vom Kloster Eberbach im Ried gegründet wurde. Sein Name war bis zum 14 Jahrhundert der Hof Leeheim. Ab dann hatte er verschiedene Bezeichnungen wie Henne, Henner und schließlich Hayner Hof, in der Schreibweise bis heute Hof Hayna.

In der Ortsprache heißt er aber immer noch "Henner Hof".

Obwohl die Römer schon in unserem Bereich ansässig waren blieb es den Mönchen und Laienbrüdern des Mittelalters vorbehalten aus unkultivierten Böden fruchtbares und nutzbares Land zu machen.

Hervorgetan hat sich besonders der Zisterzienserorden. Er machte seinen Mitgliedern zur Auflage abseits von Siedlungen in Feld, Wald und Forstdistrikten zu wohnen und zu leben.

Die Mönche hatten Kenntnisse im Ackerbau, züchteten Vieh, waren Weinbauern, Handwerker und dergleichen. Sie konnten ihre Kenntnisse in den Höfen und den dort vorhandenen Werkstätten verwerten.

Sie brachten aber auch ihre Fähigkeiten im allgemeinen Leben unter die Bevölkerung und gaben somit wertvolle Impulse für die Entwicklung der damaligen Zeit.

Sie mussten jedoch auch am gottesdienstlichen Leben teilnehmen und hatten daher nicht genügend Zeit sich intensiv um den Betrieb des Hofes zu kümmern. Hierzu wurden Laienbrüder aufgenommen. Diese mussten mit dem Acker- und Weinbau bestens bekannt sein. Sie mussten ein Handwerk erlernt und besondere Fähigkeiten entsprechend den damaligen Erfordernissen haben. Im Kloster lebten sie von dem Mönchshaus abgesondert und hatten ihr eigenes Schlafhaus.

Aus den vorhandenen Archivunterlagen ist bekannt, dass bereits vor 1137 das Hofhaus des Leeheimer Hofes mit den Wirtschaftsgebäuden, inmitten zusammengelegter Felder stand. 

Erzbischof Adalbert, in dessen Amtszeit die Gründung erfolgte, war bestrebt alle erworbenen und neu hinzugekommen Güter des Klosters um den angelegten Hof zu wissen. Es wurden Grundstücke getauscht, bis das Ziel einer großen Arrondierung erreicht war. Maßgebende Eigentümer der damaligen Zeit waren die Herren von Wolfskehlen, und das St. Albansstift in Mainz, welches in Leeheim den Mönchshof St.Alban, der unmittelbar neben der Kirche gelegen war, besaß.

Der Betrieb des Hofes brachte Erfolg und die erwirtschafteten Gewinne konnten die Mönche, die ja insgesamt keinen persönlichen Gewinn aus ihrer Tätigkeit erzielen durften, in die Verbesserung der Felder, des Anbaues und des Viehbestandes einbringen. Diese Entwicklung reihte auch den Hof Leeheim in die Erfolge des Klosters Eberbach ein und ließ in teilhaben am Handel und Wandel im gesamten Rheingebiet bis hin nach Köln.

Trotz allem es gab auch schwere Zeiten, es gab Streitigkeiten mit den weltlichen Herren, den Herren von Wolfskehlen, dem St. Albansstift und mit der Gemeinde Leeheim. Immer ging es um Grundstücks- oder Weiderechte. Auch um Ansprüche, die einzelne Parteien von dem Kloster bzw. dem Klosterhof glaubten erhalten zu müssen, oder die, aus welchem Grund auch immer, gegenseitig gefordert wurden.

1225 wurde zwischen dem Kloster Eberbach und den Herrn von Wolfskehlen über deren Ansprüche auf den Hof Leeheim ein Schiedsspruch herbei geführt.

1312 hatte der Hof seine Haltung vertreten, wonach ihm seit "urdenklicher Zeit" das Recht zustehe das Vieh des Hofes auf den Weiden der Gemeinde Leeheim zu weiden.

1315 kam zwischen den Mönchen des Klosters und den Herrn von Wolfskehlen ein Vergleich zustande wonach 32 Milchkühe aus dem Bestand des Klosters auf der Leeheimer Gemeindeweide, geweidet werden durften.

1321 wurden die Herrn von Wolfskehlen aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen weil sie sich nicht einem Spruch, der zugunsten des Klosters gefällt worden war, beugten.

1328 verpachtete das Kloster in Eberbach von seinem Hofe in Leeheim soviel Acker wie der Pflug des Pächters hinreichte und verpflichtete den Verwalter des Hofes dem Pächter ausreichend Holz zu liefern

1329 stritten die Herren von Wolfskehlen erneut mit dem Kloster wegen verschiedenen Verpflichtungen.

1358 verkaufte Burkhard von Wolfskehlen all seine Güter die er zur "Henne" (Hayner Hof) in Leeheim hatte an seine Vetter.

1428 gaben die Juristen der Heidelberger Universitätsfakultät ein Gutachten ab wonach die Mönche nur 32 Melkkühe auf der Weide halten durften. Nicht eingezwängt sei die Beweidung mit Ochsen und Kälber.

1483 vermachte Philipp von Frankenstein seiner Tochter als Brautbeigabe ein Recht über Käselieferung aus dem Gutsbetriebe des Mönchshofes zu "Henau", mit in die Ehe.

1489 gaben die Eberbacher Herren den Herren von Isenburg Weizen für den Wildbann aus den Beständen ihres Hofes zur Henne.

1492 erfolgte zwischen dem Kloster und dem Oppenheimer Amtmann, Philipp von Cronburg, ein Schiedsspruch wegen dem Forst in der Wolfskehler Gemarkung, der an den Hof angrenzt. Das Kloster soll den Forst als Eigentum behalten.

1502 verendeten auf dem auf dem Hof Hayna 1350 Schafe an einer schlimmen Krankheit der (Mala Franzosa) 

1508 gehörten zum Hof Hayna 209 1/2 Morgen, davon 64 Morgen im Felde gen (Bunßheim) Bensheimerhof und 66 1/2 Morgen im Feld gen (Riedhausen) Riedhäuserhof und 79 1/4 Morgen in den sogenannten fünf Feldern, sowie 29 1/2 Mannesmaht Wiesen, Bezeichnungen die uns heute vollends fremd sind.

1578 gab das Kloster Rechte von seinen beiden Höfen zu Leeheim, welche sieben Pächter inne hatten, an Landgraf Georg von Hessen ab. Die Namen der Pächter sind nicht angegeben worden.

Man erkennt daran, dass zu dieser Zeit die Bewirtschaftung nicht mehr ausschließlich von Mönchen durchgeführt wurde, sondern Teile, vielleicht auch der gesamte Hof bereits verpachtet war.

Die Zeit des 30 jährigen Krieges ist nicht spurlos am Haynerhof, wie auch an vielen anderen Höfen und Ortschaften in unserem Gebiet, vorüber gegangen. Die meist blühenden Höfe wurden von den Wirren der Kriegszeit und von den umherziehenden Truppen gebrandschatzt und geplündert, so dass am Ende der Kriegszeit alles verwüstet und verkommen war.

Die Mönche waren beim Einmarsch der schwedischen Truppen ins katholisch gebliebene Rheinland nach Köln geflüchtet. Bei Ihrer Rückkehr fehlte es an allem und der Hof war nicht mehr in der Lage seine Verpflichtungen gegenüber dem Landgrafen von Hessen zu erfüllen. Er geriet in Not und konnte sich nur durch einen Vergleich mit dem Landgrafen aus der schwierigen Lage zu befreien.

1654 und 1656 kam zwischen dem Kloster Eberbach und dem Landgrafen von Hessen wegen des Hayner Hofes zu einem Vergleich wobei letzterer dem Kloster finanzielle Zugeständnisse machen musste.

1797 Michael Lang und Valentin Wetzel pachten klösterlichen Besitz auf Hof Hayna. Sie übernahmen neben den Grundstücken und den Gebäuden auch das Vieh, außer der Schafherde. Es wurde bei der Übernahme genau geschätzt. Der Bestand sollte am Ende des Pachtverhältnisses wieder in der gleichen Größe zurück gegeben werden.

Sie hatten 346 Morgen Ackerland und 15 Morgen Hofreitgrund in Pachtung genommen.

Mit der Pachtung hatten die Pächter auch klösterliche Verpflichtungen zu Lieferung von Naturalien und Vieh übernommen die genau aufgelistet waren und überwacht wurden.

Gesondert verpachtet wurde die Schafherde und zwar an einen Metzger Dressel aus Darmstadt. Er übernahm auch bestimmte Weiderechte des Hofes Hayna in den Gemeinden Leeheim, Erfelden und Dornheim.

Als weitere Pächter aus dieser Zeit sind aufgeführt:
Jakob Reinhardt und 18 Consorten aus Leeheim mit 168 Morgen. Diese Ländereien hatten die Gewannbezeichnungen: "das Feld beim Gehren, an der unteren Bein, von der mittleren Bein, von der oberen Bein, der Plauel".

Wendel Feudtner und 17 Consorten aus Dornheim mit l25 Morgen. Sie lagen in den Gewannen: "das Weidchen", "der Hayner Forst".

Die gesamten Ländereien des Hofes Hayna wurden zu dieser Zeit mit 655 Morgen und 148 Ruthen angegeben.

Zum Hof gehörten aber auch noch besondere Weiderechte und dergleichen.

Mit der Aufhebung der bisherigen gottesherrschaftlichen Verfassung des Reiches im Jahre 1803 wurde der Besitz des Hofes Hayna vom Kloster Eberbach auf die landgräfliche Herrschaft in Hessen übertragen. Mit den seitherigen Pächtern wurden neue Pachtverträge auf neun Jahre abgeschlossen.

Sie wurden 1812 auf weitere 15 Jahre verlängert. Mit der Pachtverlängerung wurde der Bestand der Gebäude und des Inventars genau aufgenommen. Aus dieser Auflistung ist ersichtlich, dass beiden Pächtern bestimmte Gebäudlichkeiten des Hofes überlassen wurden.

Das Hofhaus rechter Hand, es ist zweigeschossig aus Holz mit einem Ziegeldach bewohnt der Pächter Michael Lang.

Das Hofhaus linker Hand, ebenfalls zweigeschossig mit Ziegeldach, die Gauben daran sind mit Schiefer beschlagen, bewohnt der Pächter, oder wie er zu damaliger Zeit genannt wurde, der Hofmann Valentin Wetzel.

Nachfolgende Pächter des Hayner Hofes waren:

Nach dem Reichssiedlungsgesetz von 1919 wurden auch Ländereien des Hofes Hayna an Siedler abgegeben.

Seine jetzige Größe erhielt der Hof nach dem großen Siedlungsprojekt in der Leeheimer- und anliegenden Gemarkungen in den Jahren 1937 bis 1939.

Freiherr Heinz von Wangenheim übernahm von den Ländereien des Hofes rd. 300 Morgen zum Eigentum. Die restlichen Ländereien erhielten Leeheimer und Dornheimer Landwirte. Seit dieser Zeit wird der Hof als Familienbetrieb von der Familie von Wangenheim geführt. Als Eigentümer der Gebäude wurden geführt:

Der Hof Hayna wie auch die anderen um Leeheim liegenden Hofgüter haben schon seit frühester Zeit maßgeblich zur Entwicklung des Dorfes beigetragen. Wie bereits eingangs erwähnt wurden aus der Bewirtschaftung der Hofländereien wertvolle Impulse für den Ackerbau und die Viehzucht an die Einwohnerschaft weiter gegeben.

Außerdem waren immer Leute aus dem Dorfe auf dem Hof beschäftigt. Viele die im elterlichen Betrieb nicht verbleiben konnten oder bei denen in der eigenen Familie keine Arbeits- und Erwerbsmöglichkeit gegeben war fanden diese bei den Gutshöfen.

Der frühere Pächter des Hofes übernahm 1907 auch den Bensheimerhof der zu dieser Zeit eine Wirtschaftsgröße von rd. 250 ha. hatte. Der Hof Hayna hatte damals 110 ha.. Beide Höfe wurden gemeinsam bewirtschaftet.

Sie waren in der Mannigfaltigkeit ihres Betriebes als die intensivsten des Kreises anzusprechen. Auf jedem Hof war ein Inspektor für den Arbeitsablauf verantwortlich. Die Oberleitung behielt der Pächter.

Saatzucht und die Herstellung von hochwertigem Saatgut war eine der Hauptwirtschaftsarten. Es wurde Getreide, aber auch Kartoffeln vermehrt und das entsprechende Saatgut hergestellt. Auf dem Hof Hayna befanden sich die erforderlichen Saatzuchtgärten, auf beiden Höfen moderne Lagerkapazitäten und auf dem Bensheimerhof eine für die damalige Zeit einmalige und hochwertige Reinigungsanlage.

Schweinezucht, Milchwirtschaft mit eigner Aufzucht der Muttertiere aus der schwarzbunten Niederungsrasse, moderne Milchaufbereitungs- und Kühlanlagen, eine eigene Brennerei in der die nicht für Saat- und Speisezwecken anfallenden Kartoffel zu Spiritus gebrannt wurden, waren Betriebszweige der beiden Hofgüter.

Acht Organisations- und Verwaltungsleute, 10 Handwerker und gehobene Arbeiter, sowie 85 sonstige Arbeiter, die teilweise in den 25 Werkswohnungen und zwei Schnitterkasernen untergebracht waren, gehörten zum Beschäftigtenstamm der Gutsverwaltung. In den Schnitterkasernen haben hauptsächlich Saisonbeschäftigte Wohnung bezogen die besonders für die Getreideernte angeworben wurden.

14 Pferdegespanne, wurden zur Feldbestellung eingesetzt. Zum Pflügen der Herbstfurche stand ein Dampfpflug zur Verfügung der später durch einen Motorpflug ersetzt wurde. Zum Geräteinventar gehörten für die damalige Zeit nicht alltägliche Zusatzmaschinen.

Um einen Arbeitsausgleich für die Wintermonate zu haben wurde Korbweiden angepflanzt die in der Winterszeit aufgearbeitet und auf den Markt gebracht wurden. Außerdem war der Brennerei eine Marmeladekocherei angeschlossen.

Für die damaligen Verhältnisse (1929) war die Hofgemeinschaft, ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb. Sie wurde allerdings im Jahr 1932 aufgegeben als der Bensheimer-Hof einen neuen Pächter erhielt.

Beide Höfe wurden ab dieser Zeit wieder getrennt von dem jeweiligen Pächter bewirtschaftet. Die Bewirtschaftung richtete sich nach den allgemeinen üblichen Gegebenheiten. Maschinen ersetzen Arbeitskräfte und die Betriebsumstellung sowie die geänderte Anbauart ließ die Beschäftigtenzahl immer kleiner werden.

Bis 1998 wurde der Hof vom Betriebsinhaber und seinem Sohn bewirtschaftet. Es wurde Getreide und Mais angebaut. Schweinezucht und Mast waren eine weitere Betriebseinheit.

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