Bensheimer Hof

Bensheimer HofDer an der Gemarkungsgrenze nach Leeheim und in der Gemarkung Erfelden gelegene Bensheimerhof ist schon seit frühester Zeit eng mit Leeheim verbunden.
Er gehört zur Leeheimer Kirchengemeinde, die Kinder gehen in den Leeheimer Kindergarten und
in die Leeheimer Schule und die Bewohner des Hofes halten Kontakt in vielerlei Bereichen mit der Einwohnerschaft von Leeheim.


Die Vorgängerin des Hofes die "Villa Buosinesheim" es soll ein Rest des ausgegangenen Dorfes Buosinesheim gewesen sein, wurde erstmals im Jahre 782 urkundlich in den Regesten des Klosters Lorsch erwähnt.
Urendil und seine Gemahlin Egina schenkten dem Kloster Lorsch ihre Güter in der Villa Buosinesheim und in Leeheim.
Am 18. Oktober 785 übergab ein gewisser Amanolt für sein und seines Bruders Hagobald Seelenheil seine in der Villa Buosinesheim gelegenen Besitzungen als Schenkung dem Kloster Lorsch. Ähnliche Schenkungen werden bis in das zehnte Jahrhundert immer wieder erwähnt.
Das Kloster Lorsch wird in der Folgezeit als Besitzer des Bensheimerhofes genannt und tritt unter dem Abt Sieghard von Lorsch im Jahre 1168 Besitzungen in Buosinesheim an das Kloster Eberbach ab.
Das Kloster Lorsch war in dieser Zeit immer mehr in Rückgang gekommen, es verlor seine Selbständigkeit und kam zu Kurmainz.

Erzbischof Adalbert I. von Mainz gründete im Jahr 1131 das Kloster Eberbach.
Mit der Übernahme von Rechten in Buosinesheim kam es zu weiterem Besitztum in Leeheim und Umgebung.
Das Kloster hatte zuvor schon den Hof Hayna, den damaligen Leeheimer Hof gegründet.
Aus der Villa Buosinesheim ist im Laufe der Jahre der Name Hof Bensheim geworden, der wie alle umliegenden Dörfer zum Landgericht zum Hohlen Galgen und zur Erfelder Cent gehörte.
Gerichtsherren waren die Herren von Wolfskehlen.

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts verkauften diese Herren größere Teile ihres Besitzes. Unter anderem auch an das Kloster Eberbach. Die Alt-Wolfskehler Linie, "derer von Wolfskehlen" Ritter Conrad und seine Gattin schenkten alle in der Villa Buosinesheim gelegenen Güter dem Kloster Eberbach.
Es gab aber auch Streit zwischen dem Kloster und den Herren von Wolfskehlen und mancher Vergleich musste geschlossen werden. Bis schließlich das Kloster die Alleinherrschaft über den Hof und die darin wohnenden Menschen erlangte. Wohl gehörte er nach wie vor zur Cent Erfelden doch er hatte ein von den anderen Orten unabhängiges Marktrecht.

Zu den Ländereien des Hofes kam 1277 auch der Besitz der Brüder Johannes und Nikolaus Cronenberg. Es war der vierte Teil des Dinghofes zu Bunsheim wie die Hoflage in dieser Zeit auch noch genannt wurde.
1302 erklärten Graf Johann von Spangenberg und Ritter Syfried von Lewenstein ihren Verzicht auf gewisse Güter zu Bunsheim.
1327 verzichtete Ulrich von Bickenbach auf Grundstücksrechte im Bereiche des Hofes und weitere Rechtsstreitigkeiten, aus welchem Grunde sie auch immer geführt wurden, gingen zu Gunsten des Klosters Eberbach aus.

Innerhalb von fast 2 Jahrhunderten war der Bensheimerhof eines der umfangreichsten und wertvollsten Güter des Klosters Eberbach geworden.
Auch in der Folgezeit wurden durch Käufe und Schenkungen weitere Ländereien in den Besitz des Klosters übernommen.
Das Klösterlich Eberbach'sche Marktschiff kam alljährlich ein bis zweimal den Rhein herauf, ging an der Erfelder Weide vor Anker und nahm die Ernteerzeugnisse des Bensheimerhofes und auch anderer Klosterhöfe auf und brachte sie rheinabwärts nach Mainz oder in den Rheingau.
Einer Steuereinschätzung zufolge hatte der Bensheimerhof im Jahre 1566 800 Morgen Ackerland und 300 Morgen Wiesen. Der Riedhäuserhof hatte 594 Morgen Äcker und Wiesen. Bei dieser Einschätzung wurde der Hof Hayna mit 300 Morgen und der Ganß'che Hof in Leeheim mit 230 Morgen Ackerland und Wiesen angegeben.

Am Ende des 16. Jahrhunderts geriet der Wohlstand des Klosters Eberbach immer mehr in Rückstand. Die Steuerverpflichtungen stiegen gewaltig an. Die Landesherrschaft drängte auf Erfüllung der steuerlichen Verpflichtungen und ließ, da eine Erstattung nicht erfolgte, im Jahre 1601 500 Malter Frucht pfänden.
Gegen eine erneute Steuerschuld im Jahre 1611 klagte das Kloster beim Kaiserlichen Kammergericht in Speyer erfolgreich und gewann den Rechtsstreit.
1704 hatte die Klosterverwaltung beantragt in der Kapelle beim Bensheimerhof eine Gebetsglocke aufhängen zu dürfen. Eine Glocke durfte aufgehängt werden aber sie durfte nur als Schlag oder Uhrglocke, also nicht als Läuteglocke Verwendung finden.

Auch zwischen den Gemeinden und der Klosterverwaltung des Hofes kam es immer wieder zu Streitigkeiten und zu Unstimmigkeiten wegen Weiderechten in den einzelnen Gemarkungen. So wurde der Gemeinde Leeheim 1706 ein Weiderecht im Hahnensand zu Gunsten des Bensheimerhofes untersagt.
1725 klagte das Kloster Eberbach gegen die Gemeinde Leeheim, weil die Gemeinde ihre Gänseherde auf die Brachäcker der Bensheimer und Hayner Höfe schickte.
Jeder hatte seine Rechte zu vertreten und sie wurden von beiden Seiten im Interesse der Einwohnerschaft auch gefordert. Die Gemeinde hat bei dem Streit um das Schafweiderecht die früheren Schäfer und Schäferinnen als Zeugen angerufen. Sie bezeugten, dass es ein altes Recht der Gemeinde sei, das Vieh auf den Brachäckern der Höfe zu weiden.

Aus den vorhandenen Unterlagen ist nicht festzustellen zu wessen Gunsten dieser Streit ausgegangen ist. Es scheint uns doch wichtig darüber zu berichten mit welcher Hingabe beide Parteien ihre Rechte zu wahren versuchten.

Einer der bedeutendsten Verwalter des klösterlichen Besitzes im 18. Jahrhundert war Josef Wilhelm Hoß. Er hat die Verwalterstelle im Jahr 1767 angetreten. Die Abtei Eberbach hat die treuen Dienste am 16.8.1795 bestätigt und dem Pächter weiterhin für sich und seine Familie freie Wohnung, freie Kost in den Schranken des bürgerlichen Wohlstandes, jährlich 4 Ohm Wein, ein jährliches Geld in hundertundfünfzig Gulden, ein freies Reitpferd, eine freie "Chaise" mit Pferd, und verschiedene Nebeneinkünfte zugesichert.

Wie lange sich Joseph Wilhelm Hoß noch über die klösterlichen Zuwendungen freuen konnte ist nicht überliefert. Im Zuge der Säkularisierung ging der Hof im Jahre 1802 in das Verfügungsrecht des Landesherren des damaligen Landgrafen Ludwig X. über. Mit Urkunde vom 12. Dezember 1802 hat dieser den Hof dem Geheimen Rat und Staatsminister Freiherrn von Barkhaus Wiesenhütten geschenkt.

Dieser hatte den Landesherren beim Abschluss des Lunneviller Friedensvertrages vertreten und sich nach der Meinung des Landgrafen besondere Verdienste erworben welche der Landgraf mit der Schenkung eines Gutes, in der damaligen Wertklasse des Bensheimerhofes, abgelten wollte.
Nicht lange war der Hof im Besitz des Frh. von Barkhausen-Wiesenhütten. Schon im Juli 1811 ging er käuflich an den Königlich Bayerischen Obrist Liutenant von Metting zu Frankfurt am Main, über.
Auch er behielt den Hof nicht lange. Er wurde von den Herren Krätzer und Kertel von Mainz und teilweise von Franz Trompeta von Limburg erworben. Wer den Hof in dieser Zeit bewirtschaftete ist nicht überliefert.

1836 wurde der Hof und die Ländereien von der Gräflich Görtz'schen Gutsverwaltung in Schlitz erworben die den Hof auch in den ersten Jahren bewirtschaftete aber dann vom 1. Juli 1839 an verpachtete. Pächter wurden die Brüder Georg Adam Heyl und Johannes Heyl. Nach deren Tod haben zuerst die Witwen und dann die Söhne den Hof weiter geführt. für Georg Adam Heyl dessen Sohn Heinrich Heyl und für Johannes Heyl, dessen Sohn Peter Heyl.
Im Jahr 1877 übernahm August Heyl die Rechte seines Vaters Peter Heyl und ab 1885 trat an Stelle der Ehefrau von Heinrich Heyl der Schwiegervater von August Heyl, Ludwig Bechtel von Stockstadt, in das Pachtverhältnis ein. Das gemeinsame Pachtverhältnis dauerte bis zum 21.2.1891. Ab dann übernahm August Heyl als alleiniger Pächter den Bensheimerhof. Er schied am 1.4.1907 aus dem Pachtverhältnis aus.
Nachfolger wurde der Pächter des Hofes Hayna, Freiherr Julius von Wangenheim, der ab diesem Zeitpunkt bis zum Jahr 1931 beide Höfe gemeinsam bewirtschaftete.
Die Betriebsgröße des Bensheimerhofes waren damals 250 ha und die des Hofes Hayna 110 also insgesamt 360 ha. die intensiv, entsprechend den damaligen Verhältnissen, bewirtschaftet wurden.

Der Chronist berichtet von einer groß angelegten Gutsbewirtschaftung mit modernen Maschinen und Einrichtungen und einem vielseitigen Ackerbau mit einer verzweigten Viehwirtschaft. (siehe Hof Hayna)
1931 wurde die gemeinsame Bewirtschaftung beider Höfe aufgegeben. Die Familie von Wangenheim zog sich auf den Hof Hayna zurück und der Bensheimerhof ging am 22, Februar 1931 in Pachtbesitz der Brüder Heinrich und Peter Kraft über. Sie bewirtschaften außerdem gemeinsam den Bruchhof bei Gernsheim. Heinrich Kraft bewohnte den Bensheimerhof. Sein Bruder Peter den Bruchhof.
Bei den in unserem Gebiet in den Jahren 1937/39 durchgeführten Siedlungsprojekten würden auch die Ländereien des Grafen Görtz von Schlitz, ihn gehörte auch der Kammerhof, einbezogen. Das Land wurde an siedlungswillige Landwirte abgegeben. Bei den Hofgebäuden verblieben 125 ha. die der Familie Kraft als Siedlungsland zum Eigentum gegeben wurde. Die anderen Ländereien wurden an Landwirte aus Leeheim als Siedlungsflächen gegeben. Eigentümer des Hofes wurde der Sohn von Heinrich Kraft, Hermann Kraft der den Betrieb mit seiner Familie und einem Mitarbeiterstab bewirtschaftete.
Nunmehr wird der Hof durch die dritte Generation der Familie Kraft bewirtschaftet. Karl Heinrich Kraft ist Betriebsnachfolger seines Vaters geworden. Die Größe des Hofes und der Ländereien ist fast die gleiche geblieben.

Allerdings hat sich die Wirtschaftsform gewaltig geändert. Heute wird der Betrieb viehlos betrieben. Saatgetreide in Vermehrung, Körnermais und Zuckerrüben sind die Hauptanbaufrüchte. Der Mais wird in der dem Betrieb angegliederten Brennerei verwertet.
Vieles ist im Laufe der letzten 40 Jahren anders geworden. Verschwunden sind die vielen Stammarbeiter. Verschwunden sind die Tagelöhner die früher immer in großer Zahl auf dem Bensheimerhof, genau so wie bei den anderen Hofgütern beschäftigt, waren. In einem festen Arbeitsverhältnis standen: Verwalter, Schlepperfahrer, Gespannführer, Brennmeister, Schmied, Schreiner oder Stellmacher, Schweizer, Schweinemeister und andere mehr. Sie fanden auf dem Hof Arbeit und Wohnung. Auch viele Leeheimer haben auf dem Hof ihren Lebensunterhalt gefunden und zeitlebens der Hofverwaltung, gleich wer es auch gewesen ist, gedient. Die Frauen haben im Tagelohn mit verdient und insgesamt haben sich die Bediensteten des Hofes als eine große Gemeinschaft gefühlt.
Jetzt sind es nur noch Wenige, die auf dem Hof arbeiten. Mit der Umstellung in der Landwirtschaft allgemein haben sich auch die Grundsätze eines Gutsbetriebes in unserem Gebiet geändert.

Geblieben ist die Verbindung zu Leeheim und geblieben sind auch Zeugnisse der Vergangenheit. Man findet das Eberbach'sche Wappen in den Gemäuern und man findet alte ehrwürdige Gebäude die viele Menschen der vergangenen Zeiten überlebt haben.
Könnten die Bruchsteinmauerwerke erzählen, vieles könnten sie uns übermitteln was im Laufe der Zeit alles in Vergessenheit geraten ist.
Sie könnten uns auch Gewissheit geben darüber, ob es tatsächlich einen unterirdischen Gang vom Bensheimerhof bis zur Leeheimer Kirche gegeben hat von dem in früheren Jahren immer erzählt wurde. Sie könnten uns auch Hinweise geben wo dieser Gang verlaufen ist. Denn bis jetzt wurde er noch nicht gefunden. Es mutet stark an, dass es doch nur eine Erzählung war die von Generation zu Generation in Leeheim weiter gegeben wurde.

Zurück