Eine alte Signallampe der Bahn baumelt neben dem Torbogen am Museum und
weist den Weg. Im Hof melden Nase und Auge gleichermaßen Ungewöhnliches:
In der Luft liegt ein warmer Duft, die Gebäude sind festlich mit
Petroleumlampen beleuchtet. Im Rund stehen alte Opel-Fahrräder mit
Karbidleuchten, an Pferdeschlitten und -leiterwagen brennen Kerzen
hinter Glas. Daneben wartet ein Laser auf gelbem Gestell auf seinen großen
Auftritt. „Vom Petroleum zum Laser. 100 Jahre Strom in Leeheim“ heißt
denn auch die Sonderausstellung, die der Heimat- und Geschichtsverein
(HGV) derzeit in der Backhausstraße zeigt.
Die evangelische Kirche war das erste Gebäude in Leeheim, das mit Strom
versorgt wurde, erklärt HGV-Vorsitzender Ludwig Jung. „An Weihnachten
1911 wurde sie erstmals elektrisch beleuchtet.“ Vorausgegangen waren
1910 Verträge der Gemeinden Biebesheim, Crumstadt, Stockstadt,
Goddelau, Erfelden, Wolfskehlen und Leeheim mit der Rheinischen
Schuckert Aktiengesellschaft, die später in die Verwaltung des Überlandwerk
Mainz überging. Nach der Kirche wurden auch die übrigen Haushalte der
ungefähr 1200 Leeheimer ans Stromnetz angeschlossen. Dennoch blieben
Petroleumlampen noch lange in Gebrauch.
Jung erinnert sich aus seiner Kindheit an noch eine andere Lichtquelle:
„Meine Oma hat sich zum Zeitunglesen gern vor den Küchenherd gesetzt
und sich zum Feuertürchen runtergebeugt. Dabei hing an der Decke eine
Glühlampe.“ Der Küchenherd im alten Wohnhaus wurde für den Abend
zwar nicht befeuert, aber ansonsten hatten die HGV-Mitglieder unter
Federführung von Hans Moldaner zusammengetragen und liebevoll
dekoriert, was im Laufe der Zeit Licht spendete.
Bereits den Eingang zum Wohnhaus der ehemaligen Hofreite zieren zwei
hohe Petroleumlampen auf gusseisernen Ständern. Im Jagdzimmer
wetteifern eine elektrische Deckenlampe mit grünen Glasperlenfransen
und eine heimelige Tischlampe mit Petroleumflamme, wer sich besser ins
rechte Licht rückt. An Wänden, Tischen und Decken und selbst neben dem
altertümlichen Bettgestell finden sich Lampen aus der Zeit, als ein
simpler Knopfdruck noch nicht automatisch für Licht sorgte.
Sammler Stefan Heseler aus Wallerstädten prüfte bei der Eröffnung
immer mal wieder kritisch die Hitzeentwicklung, denn die alten Lampen
spenden nicht nur Licht, sondern auch erstaunlich viel Wärme. Ein Großteil
seiner Sammlung ist im ersten Stock des Museums ausgestellt. Dort zeigen
auch Silvia und Thomas Müller aus Gernsheim einen Teil ihrer alten
Lampen, aber auch Kocher, die mit Petroleum, Karbid, Kerzen oder
Spiritus betrieben wurden. Alle drei Sammler beantworteten am ersten
Abend viele wissbegierige Fragen.
Im gleichen Raum arbeitet die lebensgroße Puppe „Manfred“ an
Stromleitungen, wie sie früher an Pfosten über die Dächer des Ortes
geführt wurden. Zu sehen ist auch die alte Schalttafel der
evangelischen Kirche, an Stellwänden gibt es Informationen zu
Stromversorgung und Funktionsweise von Lampen. Werbung anno dazumal für
die „Fridola Acetylen-Sturmlampe“ ist dort ebenso zu finden wie ein
Foto der alten Transformatorenstation in der Backhausstraße kurz vor
ihrem Abriss 1985/86.
Im Hof spendet die Laterne „Petro-Max“ stetes Licht. Warum die so
heißt, verrät Stefan Heseler: „Der Erfinder hieß Maximilian, hat
zehn Jahre ständig an dem Entwurf gebastelt und wurde deswegen
Petroleum-Max gerufen.“