Leeh'mer Kerb  

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Rätseln und Schmunzeln

Leeheimer Kerb -  Im Gegensatz zu anderen Gemeinden gibt der Kerwevadder nicht preis, wen er in seiner Rede glossiert

LEEHEIM. Zu mitternächtlicher Stunde begaben sich die Leeh‘mer Kerweborsch an den Ortsrand Richtung Wolfskehlen, um die Kerb auszugraben und das best gehütete Geheimnis Leeheims zu lüften. Erst als der alte dem neuen Kerwevadder die Kapp übergab, war‘s raus: Richard Antoniuk ist Kerwevadder 2002.
Mit fröhlichen Liedern auf den Lippen zogen die Kerweborsch zurück zum Kerwelokal, dem Gasthaus „Zum Rheintal“. Dort warteten bereits dichtgedrängt und gut gelaunt ehemalige Kerweborsch und -vaddern, sowie der harte Kern der Kerwefreunde schunkelnd und singend auf dessen Einzug und ersten Auftritt. Und endlich – unter rhythmischem Applaus hält der neue Kerwevadder mit seinem Gefolge Einzug ins Lokal. Das lange Raten ist zu Ende – abgeschlossene Wetten teils gewonnen, teils verloren.
Nun sind alle Augen auf Richard Antoniuk gerichtet. Seine erste Kerweredd‘ mit den kleineren und größeren Pleiten und Pannen der lieben Mitbürger steht an. Damit verbunden das Rätselraten: „Wer war denn das? Um wen handelt es sich da?“

„Schröder Gerd, darf noch mal  - Vizemeister sind wir auch.“

 Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten anderer Kerwegemeinden, werden im Leeh‘mer Kerwespruch nämlich die Namen der Glossierten nicht preisgegeben. Aber auch diese Nuss ist natürlich bald geknackt und alle stimmen gemeinsam ein: „Einmal im Jahr, feiern wir die Kerb in Leeh‘m“. Sie steht diesmal unter dem Motto „Der Schröder Gerd. der darf noch mal. Vizemeister sind wir auch. Die Leeh’mer Kerb die feiern wir, nach gutem alten Brauch.
Aber was wäre die Leeh’mer Kerb ohne einen ordentlichen Kerwebaum. Schon am Samstagmorgen zogen die Kerweborsch in den Büttelborner Wald, um die auserwählte Fichte herbeizukarren. Entgegen den beiden Vorjahren gab es diesmal nur eine kleine leicht zu behebende Blessur. Unter dem Beifall einiger Kerwefreunde stand mit routinierten und eingeübten Handgriffen das 18 Meter hohe Wahrzeichen der Leeheimer Kerb, traditionell mit Würsten dekoriert, im Nu an seinem vorgesehenen Platz. Bunte Bänder wehen durch die Kerwebaumkrone und eine Lichterkette weist auch nachts den Weg zum Kerwelokal.
Ehe die Kerweborsch abends fein rausgeputzt wieder ins Kerwelokal einmarschierten, hatten sie alle Hände voll zu tun, um die Rollen für den Sonntäglichen Umzug zu schmücken. Nach dem Eröffnungstanz des Kerwevadders Antoniuk mit der Kerwemodder Katharina Jotter aus Groß-Rohrheim war zu den Klängen von „Querbeet“ Tanz bis in die Morgenstunden angesagt.                evs.


Sicher ist sicher: Mit Rat und Tat stand "Rheintal"-Wirt Reinhold Raiß am Samstag, als die Leeheimer Kerweborsch ihren Kerwebaum an der Fassade der Dorfgaststätte aufstellten.

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Die Gans frisst den Blumenstrauß

Leeheimer Kerweumzug -  Kerwevadder Richard Antoniuk erzählt Begebenheiten aus dem Dorfleben

LEEHEIM. Zum Höhepunkt der Leeh‘mer Kerb, dem Umzug, säumten am Sonntag trotz trübem Herbstwetter zahlreiche Kerwefreunde die Straßen, um dem Kerwespruch zu lauschen. Flankiert von den Beireitern Matthias Erhardt und dem Vorjahreskerwevadder Kai Dickhaut, glossierte Kerwevadder Richard Antoniuk an vier Stationen die Unzulänglichkeiten Leeheimer Mitbürger.
Ehe sich der Kerwevadder dem Ortsgeschehen zuwandte, blieb auch das Weltgeschehen nicht unerwähnt. So zum Beispiel die Fußball-Weltmeisterschaft: In Japan und in Süd-Korea, war die WM im Fußball dran. Vizemeister, Super-Rudi und vorne weg der Olli Kahn“. Neben der Euro-Umstellung, der Bundestagswahl und Schumis Siegesrausch fand im Kerwespruch auch die Flutkatastrophe an der Elbe ihre Würdigung. Denn „Hochwasser im Osten Deutschlands, man sollte spenden, wenn man kann. Die Existenz ist schnell versunken. Vielleicht sind wir als nächstes dran.“
Zurück zu Leeheims Pleiten war die Rede von einem Owwer ­Dörfler, dem eine Gans die Goodwill-Tour bei seiner Ehefrau zunichte machte. Blumen wollte er ihr nach einem kurzen Trip in seine Stammkneipe schenken, doch „offen steht die Wagentür. Die Blumen liegen lockend da, für die Gans vom Tümmlerhof ist die Sache sonnenklar. Sie watscht ins Auto voller Hunger, frisst die Blumen weg im Nu. Plötzlich fällt durch Geisterhand die Tür vom Wagen krachend zu.“
Im Kerwespruch nicht unverschont blieb ein etwas angeheiterter Zeitgenosse. Von Kneipengästen unbeachtet wankt er wacklig heim und findet sich in einem Garten wieder. Dort stehen friedlich Gipsfiguren, die laden ihn recht herzlich ein. Er glaubt sich in der nächsten Kneipe. „Die Jungs hier scheinen nett zu sein!“ Zu berichten hatte der Kerwevadder auch von drei ortsbekannten Leeheimer Männern, denen ein zur Radtour mitgenommener Zwergdackel zum Verhängnis wurde. Denn „der Dackel ist ein stolzes‚ Tier und zeigt dem Herrchen sein Revier.“ Darüber hinaus gab der Kerwevadder der interessierten Öffentlichkeit auch die ein oder andere nicht immer gesellschaftsfähige Kuriosität aus eigenen Reihen rund um den edlen Gerstensaft preis.
All diese großen und kleinen Missgeschicke untermauerte der Musikzug des FC Germania mit den passenden Klängen. Auf den anschließenden Motivwagen hatten die Kerweborsch die Episoden in Szene gesetzt und mit Sprüchen unterlegt. Die Kerwemädchen versorgten das aufmerksame Publikum mit schäumenden Getränken. Offensichtlich vom Kerwetreiben früherer Tage erholt – und entspannt liegend - verfolgten die „Zehnjährigen“ auf ihrer eigenen Rolle im Sand mit Lagerfeuer und allem, was zur Erholung gehört, das rege Treiben. 

Vergnügungen auf dem Platz, Tanz in den Lokalen

 Nach dem Umzug lockte ein Rundgang über den Kerweplatz mit seinem süßen Duft von gebrannten Mandeln, Nierenspießen und anderen Köstlichkeiten, sowie der „Reitschul“ und anderen Vergnügungen für groß und klein. Außerdem wollte man sehen und gesehen werden, sowie hie und da ein Schwätzchen halten, ehe sich die Kerwegemeinde abends im Kerwelokal und in den anderen Leeheimer Gastwirtschaften zu Tanz und Unterhaltung einfand. Bereits um 10 Uhr morgens war am Montag wieder Leben auf Leeheims Straßen. Frühschoppen, der wie so oft nahtlos in Dämmer- und Abendschoppen überging, war in allen Kneipen angesagt. Erst sorgten. die Kerweborsch mit „Soundwave“ im Kerwelokal für Schwung und gute Laune, dann ging’s „über die Gass“.                              evs.

Auf großes Interesse stieß am Sonntag die Redd ds Leeheimer Kerwevadders Richard Antoniuk (Mitte), der beim Umzug an mehreren Stellen das Dorfgeschehen des vergangenen Jahres glossierte. Matthias Erhard (links) und Kai Dickhaut (rechts) assistierten.     FOTO ROBERT HEILER

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