100 Jahre Ev. Frauenhilfe - 50 jährigese Bestehen des Ev. Posaunenchores - Die Laienspieler proben -Es gibt doch einen Weihnachtsmarkt - Die Orgel ist saniert - Ikebana beim Obst- und Gartenbauverein - Wie Puck Weihnachten rettet - Weihnachtsmarkt rund um die Kirche

Gebete, Gymnastik und Geselligkeit

Kirche: Seit hundert Jahren gibt es die Treffen der evangelischen Frauenhilfe Leeheim

LEEHEIM. 


Von „F“ wie Freude und „R“ wie Religion bis zu „E“ wie Engagement und Erlebnis: Farbenfroh künden Stichworte auf dem handgemalten Plakat, wofür evangelische Frauenhilfe in Leeheim steht. Gestaltet haben es die Frauen bei einer ihrer geselligen Zusammenkünfte mittwochs im Gemeindehaus.
Diese Treffen haben eine lange Tradition in Leeheim: Vor hundert Jahren kamen Frauen erstmals in der Wohnung der Krankenschwester Anna Fanta zusammen, um den „Frauenverein“ zu gründen. Dieser wurde später in „Evangelische Frauenhilfe“ umbenannt. Seitdem kamen Frauen wöchentlich zusammen, um gemeinsam zu beten und zu singen, Lebenshilfe zu geben und über Glaubensfragen zu sprechen.
Der Frauentreff erhielt einen solchen Zulauf, dass die Wohnung bald zu klein dafür war – und der Umzug in den alten Rathaussaal und dann in ein im Pfarrhaus neu eingerichtetes Gemeindezimmer erfolgte. Auch das wurde rasch zu klein. 1936 wurde unter dem damaligen Pfarrer Preß ein Gemeindesaal gebaut, der auch Platz für die Frauenstunden bot.
Die Gründung der Frauenhilfe fiel in das Jahr, in dem auch der erste Internationale Frauentag begangen wurde. Auf diesen Zusammenhang wies Anna Schäfer, kürzlich verstorbene langjährige Vorsitzende der Frauenhilfe, in dem Text hin, den sie für den Festgottesdienst anlässlich der 100-Jahr-Feier vorbereitet hatte. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits so schwer erkrankt, dass ihre Tochter Gerlinde Schad in Vertretung den Text vorlas.
Zurzeit leitet Pfarrer Jürgen Bode kommissarisch die Zusammenkünfte der Frauenhilfe, während Rosemarie Müller und Elisabeth Heyse sich um liebevoll eingedeckte Tische, Kaffee und Kuchen kümmern. Denn nach wie vor versammeln sich die Frauen zu Andacht und Gebet, aber auch zum Erzählen und Beraten, gymnastischen Übungen und zu Ratespielen. Die Gruppe ist im Laufe der Zeit kleiner geworden, doch 25 bis 30 Frauen sind jede Woche dabei, schätzt Rosemarie Müller.
Auch die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen ist seit der Gründung ein wichtiges Anliegen der evangelischen Frauen. So wird an gemeinnützige Vereine gespendet, werden Altkleidersammlungen für die Nieder-Ramstädter Heime organisiert und betagte Menschen zum Geburtstag oder bei Krankheit besucht.

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03. November 2011  | üle

„Das Zusammenspiel ist wichtig“

Kirchenmusik: Der evangelische Posaunenchor Leeheim feiert sein fünfzigjähriges Bestehen mit Konzerten

„Blech pur“ gab es beim Fest zum fünfzigjährigen Bestehen des Leeheimer Posaunenchors in der Kirche zu hören. Foto: Robert Heiler

| Vergrößern | „Blech pur“ gab es beim Fest zum fünfzigjährigen Bestehen des Leeheimer Posaunenchors in der Kirche zu hören. Foto: Robert Heiler

LEEHEIM. 


Festliche Klänge von Posaunen und Trompeten begrüßten mit dem „Festive March“ die Besucher der evangelischen Kirche Leeheim. Der Marsch bildete den Auftakt des Gottesdiensts am Sonntagabend und zugleich de Abschluss des Jubiläumswochenendes des Leeheimer Posaunenchors.
Vor genau 50 Jahren hatte das Ensemble seinen ersten öffentlichen Auftritt, erinnert sich Ernst Jung, einer der vier Männer der ersten Stunde. Damals sei er noch Konfirmand gewesen und habe den Chor erstmals beim Erntedankfest gehört. Und das wurde damals am Sonntag vor dem Volkstrauertag gefeiert; denn das ließ den Leeheimer Bauern genug Zeit, ihre Rübenernte einzubringen.
„Die Musik hat mir immer gut gefallen. Nach meiner Konfirmation bin ich sofort in den Posaunenchor eingetreten“, erzählt Jung weiter. Und da ist er bis heute aktiv mit der Zugposaune.
Nach dem musikalischen Auftakt hatte Pfarrer Jürgen Bode seine Predigt ganz auf das Jubiläum ausgerichtet. Der Posaunenchor sei wichtiger Bestandteil der Gemeindearbeit und begleitete auch schon viele Veranstaltungen außerhalb der Kirche. „Menschen, die sonst nicht mitsingen, trauen sich bei den Posaunenklängen auch mal mitzusingen“, sah Bode einen Vorzug der Kirchenmusik durch die Blechbläser. Außer den schon in der Bibel erwähnten Posaunen besteht ein moderner Chor auch aus Trompetern, Hornisten und Tubabläsern.
Die biblische Posaune hat mit der modernen Zugposaune wenig zu tun. Damals war es ein ein- oder mehrfach gewundenes Widderhorn, die Schofar, erklärte Bode. In seiner Predigt erinnerte der Pfarrer an drei Grundfunktionen dieser Posaune: 3000 Jahre vor dem Geburtstag des Leeheimer Chores, auf der Flucht der Israeliten aus ihrer Knechtschaft unter dem Pharao war die Posaune Begleitmusik zur Offenbarung Gottes (Zweites Buch Mose 19). „Die Posaune ruft: Gott ist da und verspricht Freiheit“, erklärte Bode die erste Grundfunktion.
Die Posaunen von Jericho sind wahrscheinlich das bekannteste Beispiel. Damals ließen die Posaunen Mauern der Stadt einstürzen (Josua 6). „Heute geht um das Einreißen von Mauern in unseren Köpfen und Herzen“, erklärte Bode die zweite Grundfunktion.
Und als dritte Grundfunktion erinnerte der Pfarrer an die Offenbarung des Propheten Johannes, der in einer Vision Posaunenklänge als Vorspiel auf die himmlische Erlösung vernahm (Offenbarung 11).
Während des Gottesdienstes zeigten die Posaunisten aus Leeheim gemeinsam mit befreundeten Ensembles, wie Posaunenklänge auch Balsam für die Seele sein können. In modernen Arrangements und swingenden Rhythmen wurden die Kirchenlieder „Danke für diesen guten Morgen“ – abgewandelt in guten Abend –, „Unser Leben sei ein Fest“ und eine musikalische Form des „Vater unser“ zu einem besonderen Erlebnis.
In einem Workshop hatten die Posaunenchöre den gemeinsamen Auftritt geprobt. Benny Scholian (Leiter des Leeheimer Ensembles) und Landesposaunenwart Frank Vogel leiteten den Workshop.
Frank Vogel überbrachte auch die Grüße des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und ehrte die vier Männer der ersten Stunde für fünfzigjährige Mitgliedschaft: Werner Friedrich, Ernst Jung, Hans Lochmann und Günther Krüger. Sie erhielten als besonderes Geschenk einen limitierten Druck aus der Werkstatt eines Dieburger Künstlers. Das Kunstwerk zeigt einen Posaunenchor, bei dem die einzelnen Personen nicht genau zu erkennen seien, erklärte Vogel. „Denn nicht die einzelnen Personen, sondern das Zusammenspiel ist wichtig.“
Vogel hatte am Vorabend auch ein besonderes Geburtstagsgeschenk für den gesamten Chor mitgebracht – ein Konzert des Auswahlchors des Hessischen Posaunenwerks „Blech Pur“. Die zehn Musiker erfreuten mit einem Konzert, in dem nahezu alle musikalischen Stilrichtungen zu hören waren.
Am Ende ließ Vogel die Besucher in der Kirche selbst einen Posaunencheck vornehmen: „Einatmen, ausatmen wie ein Pferd, einatmen und ausatmen wie ein Motorrad“, kommandierte er. „Jetzt fehlen nur noch Mundstück und Instrument und auch Sie können mitmachen.“
Mit dieser Einladung zur wöchentlichen Probe montags um 20 Uhr in der Kirche endete der offizielle Teil und der Abend klang im Pfarrhaus bei einem liebevoll zubereiteten Imbiss aus.

09. November 2011  | wig

Arbeitsgemeinschaft findet Führungsspitze

Weihnachtsmarkt: Zweitägige Veranstaltung läuft am letzten November-Wochenende

LEEHEIM. 


Der Leeheimer Weihnachtsmarkt geht am Samstag (26.) und Sonntag (27.) wie geplant über die Bühne. Denn der Arbeitsgemeinschaft Weihnachtsmarkt ist es bei ihrer Zusammenkunft am Montagabend nun doch gelungen, eine Führungsspitze zu wählen, geht aus einer Pressemitteilung hervor. Frank Fischer ist neuer Vorsitzender, Marko Müller neuer Rechner.
Bis Montag hatte es danach ausgesehen, als würde es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt geben, nachdem sich die langjährige Führungsspitze mit Vorsitzender Silke Winter-Gerth und Rechner Ludwig Jung zurückgezogen hatte und sich zunächst keine Nachfolger gefunden hatten. Mit dem Markt ist nun auch die Leeheimer Weihnachtsbeleuchtung gesichert, die aus dem Erlös der zweitägigen Veranstaltung finanziert wird.
Weiter wurde in der jüngsten Zusammenkunft beschlossen, die Weihnachtsbeleuchtung zu erneuern, wo es notwendig ist. Die Glühbirnen sollen nach und nach durch energiesparendere Beleuchtungskörper ersetzt werden. Hier möchte die Leeheimer Arbeitsgemeinschaft laut Pressemitteilung mit anderen Riedstädter Weihnachtsmarktorganisatoren zusammenarbeiten, um die neuen Glühbirnen kostengünstig einkaufen zu können. Denn dies könne nicht alles aus den Standgebühren der Marktbeschicker finanziert werden. Deshalb ist offenbar daran gedacht, die Leeheimer Bürger um Spenden zu bitten.

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12. November 2011  | Von Kirstin Gründel

Mit dem Fahrstuhl ins Märchenland

Laienspieler: Leeheimer Nachwuchstruppe probt derzeit für das Kindertheaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“

Den Weihnachtszauber freilassen will der Weihnachtsengel (Lisa Reinhardt), und nur mit Mühe können die Elfen Puck (Aaron Thurn) und Mickie (Saphira Thurn) ihn daran hindern. Die Jugend der Leeheimer Laienspieler probt derzeit in der Kulturhalle das Theaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“.  Foto: Robert Heiler

| Vergrößern | Den Weihnachtszauber freilassen will der Weihnachtsengel (Lisa Reinhardt), und nur mit Mühe können die Elfen Puck (Aaron Thurn) und Mickie (Saphira Thurn) ihn daran hindern. Die Jugend der Leeheimer Laienspieler probt derzeit in der Kulturhalle das Theaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“. Foto: Robert Heiler

LEEHEIM. 
Kartenverkauf

Karten kosten im Vorverkauf fünf Euro und sind bei Volksbank und Kiosk Kunterbunt zu haben. Mittwochs zwischen 9.30 und 11.30 Uhr werden sie auch beim Verein Tausendfüßler in Dornheim angeboten. An der Abendkasse kostet der Eintritt sechs Euro. Die Laienspielgruppe weist darauf in, dass alle Kinder, die laufen können, sowie alle begleitenden Erwachsenen eine eigene Karte benötigen.

Fast ununterbrochen surrt ein Akku-Schrauber, Metallstangen scheppern, Holzbohlen knarren, Schrauben klimpern, die Bühnenbauer rufen sich Anweisungen zu. Während acht Männer in der einen Ecke der Kulturhalle die Bühne aufbauen, probt in der anderen der Nachwuchs der Laienspielgruppe für das Kindertheaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“. Bei dem Lärm muss Souffleuse Ellen Wiesenäcker die Ohren spitzen, um zu hören, bei welcher Textstelle die jungen Akteure gerade sind, und im Notfall die passenden Stichwörter parat zu haben.
Trotz des Krachs bewahrt sie Ruhe. Seit Jahren unterstützt sie die Laienspieler und ist daher gewohnt, dass ab und zu improvisiert werden muss. Weil die Kulturhalle so gefragt ist, können die Akteure seit Jahren immer erst wenige Tage vor ihren Aufführungen Bühne und Bühnenbild fertigstellen – und dann erst unter „echten“ Bedingungen proben.

Wie Wiesenäcker nehmen es auch die Schauspieler gelassen. Bei einer der letzten Proben vor der Aufführung – keine zwei Wochen mehr sind es bis zur Premiere – markiert ein Stuhlkreis die Bühne. Wer gerade nicht an der Reihe ist, wartet außerhalb auf seinen Auftritt.
Schon seit den Sommerferien proben die jungen Talente zwischen sieben und 18 Jahren einmal wöchentlich miteinander. „Wir hatten auch ein Intensivprobenwochenende“, berichtet Angela Gerhardt, in diesem Jahr erstmals Co-Regisseurin neben Ulrike Urban. „Da spielen wir das Stück öfter durch, sodass mehr hängen bleibt.“ Die Texte sitzen also gut, und die Schauspieler setzen ihre Rollen gekonnt um. Bei dem Krach in der Halle kommt dennoch nicht die Stimmung auf, die das Stück später verbreiten soll. Doch Gerhardt verspricht: „Es wird richtig weihnachtlich.“ Schließlich entführten Puck und Co. das Publikum ins Weihnachtswunderland.
Fahrstuhlführer Aufundab (Felix Tomalla), der sich anfangs unters Publikum mischt, lässt die Zuschauer quasi in seinen Lift einsteigen. Die Fahrt führt sie zu den beiden Weihnachtselfen Puck (Aaron Thurn) und Mickie (Saphira Thurn), die wegen ihrer Frechheiten und Neugierde aus dem Weihnachtswunderland geworfen wurden. Schnell steigen sie zu, um zu ihren Freunden zurückzukehren.
Oberelf Thomasius (Eileen Leistner) ist nicht begeistert, dass der Aufzug Menschenkinder ins Weihnachtswunderland bringt. Zu allem Unglück verstreut das Sternenmädchen Funkelfein (Mira Erckmann) den Sternenglanz fürs Weihnachtswunder, und Puck verschüttet den ganzen Weihnachtszauber. Weihnachten muss also ausfallen! Das freut die fiese Eisprinzessin (Stephanie Karpowski) und ihre Gehilfen Flitz und Zaster (Luise Nold, Jennifer Sills). Doch sie haben die Rechnung ohne Puck und Mickie gemacht, die sich im Publikum versteckt haben und mit diesem Weihnachten retten wollen.

Dass die jungen Akteure dieses Jahr eine Weihnachtsgeschichte aufführen, war ihr eigener Wunsch. Sie wollten nicht schon wieder einen Märchenstoff umsetzen, erinnert sich Urban. Da sei sie auf die Geschichte mit Puck gestoßen und habe sie sogleich ausgewählt. „Wenn man die Texte liest, weiß man schon, wer was spielen soll“, grinst sie. Sie kenne die Kinder schon lange und könne gut einschätzen, welche Rolle zu wem passt. Mit Mira Erckmann (7) und Anna Heger (9) geben in diesem Jahr übrigens zwei Mädchen ihr Debüt auf der Bühne. Jonas Lessenich dagegen, der den Weihnachtsmann mimt, ist schon routiniert: Er spielt seit rund zehn Jahren bei den Laienspielern mit.
Das zauberhafte und spannende Weihnachtsmärchen in zwei Akten dauert rund anderthalb Stunden und ist für Kinder ab drei Jahren geeignet. Aufführungen sind am Samstag (19.) und Sonntag (20.) um 17 Uhr in der Sport- und Kulturhalle (An der Sporthalle 3). Einlass ist ab 16.15 Uhr.

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15. November 2011  | gra

Romantisch, aber auch gut für Bach

Konzert: Evangelische Gemeinde Leeheim lässt drei Musiker bei der Orgel nach der Sanierung alle 16 Register ziehen

Deutlich entstaubt klingt die sanierte Orgel in der evangelischen Kirche Leeheim. Mit einem Konzert mit Wilhelm Rühl, Gunhild Streit und Evert Groen (von links) weihte die Gemeinde am Samstabend das Instrument nach der gründlichen Reinigung wieder ein. Foto: Robert Heiler

| Vergrößern | Deutlich entstaubt klingt die sanierte Orgel in der evangelischen Kirche Leeheim. Mit einem Konzert mit Wilhelm Rühl, Gunhild Streit und Evert Groen (von links) weihte die Gemeinde am Samstabend das Instrument nach der gründlichen Reinigung wieder ein. Foto: Robert Heiler

LEEHEIM. 


„Die Trompete ist jetzt fast etwas zu laut“, meinte der langjährige Organist Wilhelm Rühl: Seit das Register vom Staub mehrerer Jahrzehnte befreit wurde, erklingt es noch klarer von der Empore des Gotteshauses. Rühl eröffnete am Samstagabend das Orgelkonzert, das die abgeschlossene Sanierung des Instruments mit einer Auswahl ganz unterschiedlicher Musikstücke feierte. Neben dem Organisten aus Wallerstädten spielten dabei auch die Dekanatskantorin Gunhild Streit aus Gernsheim sowie der aus den Niederlanden stammende Musiker Evert Groen.
Als Laie höre man wohl keinen Unterschied, bekannte Pfarrer Jürgen Bode in seiner Begrüßung. Dennoch sei die Sanierung im Sommer, bei der auch das Erscheinungsbild des Orgelprospekts modernisiert wurde, überfällig gewesen. Im Allgemeinen sollte eine Orgel alle 30 Jahre gereinigt werden – für das Leeheimer Instrument war es die erste Überholung seit seiner Aufstellung 1968. 1912 gebaut, war es zunächst im Taunus zu Hauses und kam ins Ried als Ersatz für die Dreymann-Orgel, die im Zweiten Weltkrieg mit der Kirche verbrannt war. Das Klangbild der 16 Register habe einen romantischen Charakter, erklärte Rühl, eigne sich aber auch gut für die Musik Bachs.
Der war es denn auch, der das Konzert besonders prägte. Wilhelm Rühl begann das Programm mit einem tongewaltig triumphierenden Präludium C-Dur, bevor er fünf von Bachs „Schübler-Chorälen“ spielte. Diese hat der Komponist nach 1746 von einigen seiner früher veröffentlichten Kirchenkantaten adaptiert, es finden sich darunter bekannte Werke, wie „Wer nur den lieben Gott lässt, walten“. Der Charakter der einzelnen Choräle ist ganz verschieden: Erklingt etwa die Weise von „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ schnarrend vor einem melodischen Hintergrund, so spielt bei „Meine Seele erhebt den Herren“ eigentlich die schöne Bassbegleitung die Hauptrolle. Im Choralvorspiel zu „Nun danket alle Gott“ wird die vertraute Weise des Kirchenliedes vielfältig umspielt.
Auch Gunhild Streit spielte Bach: Präludium, Largo und Fuge in C-Dur, was nach ihrer Erläuterung eine damals eher ungewöhnliche Struktur war. Das dreistimmige Largo kam wohl hinzu, weil das Präludium in diesem Fall besonders kurz ausfällt. Bevor Streit noch einmal mit einem zeitgenössischen Orgelwerk zu hören war, oblag es Evert Groen, den musikalischen Übergang zu ermöglichen. Das tat er mit zwei Improvisationen: Erst einer Übertragung des Beatles-Stücks „Hey Jude“ in den Stil Bachs, dann der Verarbeitung schneller Tanzmelodien, bei denen das ehrwürdige Instrument plötzlich kein bisschen mehr behäbig klang, sondern fast schon wie ein modernes Keyboard.

Den Abschluss des Programms bildete dann „Merck toch, hoe sterck“, ein in den Niederlanden beliebtes Kampflied aus der Zeit des Kriegs mit Spanien. Streit spielte die Variationenreihe, die der Holländer Cor Kee (1900 bis 1997) über die Melodie geschrieben hat. Unter diesen waren sehr moderne Fassungen, deren Arrangements die Möglichkeit gaben, auch ungewohnte Klangfarben der Leeheimer Orgel kennenzulernen.
Das Publikum bedachte die drei Musiker am Ende mit langem Applaus und leistete am Ausgang seinen Beitrag zur Orgelsanierung: Von den Kosten, rund 28 000 Euro, hat die Gemeinde bisher etwa 15 000 Euro durch Spenden aufbringen können.

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23. November 2011  | niku

„Vier geht gar nicht“

Ikebana: Leeheimer Gartenbauer zaubern japanisch angehauchte Weihnachtsgestecke

LEEHEIM. 


Eng ist es in der Hütte des Obst- und Gartenbauvereins am Ortsrand. Dennoch haben sich zehn Neugierige dort eingefunden, um von Ikebanakursleiterin Heidi Gierschewski aus Gernsheim etwas über die japanische Kunst des Blumensteckens zu lernen (wir berichteten). Sie erfahren, dass es die drei Hauptlinien Shin (Himmel), Soe (Mensch) und Hikae (Erde) gibt und dass man Blumen immer unter Wasser gerade anschneiden sollte, um ihre Lebensdauer zu verlängern. Nebenbei gibt es eine Einführung in die Farbenlehre, die Möglichkeiten des Kenzan (der Steckplatte) werden erörtert.

Unter Gierschewskis Händen entsteht Herbstarrangement um Herbstarrangement in unterschiedlichen Vasentypen. Sogar eines, das sich über zwei Vasen erstreckt, ist dabei. Immer kommt Ikebana, was „lebende Blume“ bedeutet, dabei mit wenig Material aus. Die Kunst des Arrangierens steht im Fokus.
„Die einzelne Blüte muss zur Schönheit gebracht werden“, so Gierschewski, die während ihres Vortrags viel heimisches Gartenmaterial in Kunstobjekte verwandelt. Sauberes Wasser muss in den Schalen sein, so die Ikebanakünstlerin, die sich seit mehr als 20 Jahren mit der asiatischen Steckkunst beschäftigt und weltweit anerkannt ist. Auch in Japan war sie schon – um selbst zu lernen.
Bei ihren Vorführungen herrscht andachtsvolle Stille, während im Nebenraum das Mittagessen köchelt. Denn nach dem Vortrag wird gemeinsam gespeist, und dann gehen die Teilnehmer selbst ans Werk. Auf Schieferplatten sollen weihnachtliche Arrangements entstehen. Doch zuerst heißt es weiter lernen. So darf keines der Jushis (Seitenlinien) eine Hauptlinie überragen, und die Farben der Gräser, Blumen und Hölzer müssen zur Vase passen. Doch Ikebana, die Kunst zwischen Verstecken und Zeigen, ist auch gnadenlos: Zum Entsetzen so mancher Teilnehmerin wird radikal weggeschnitten, was die Gesamtkomposition stört. So erfahren die interessierten Zuhörer auch, dass „vier gar nicht geht“. Denn Vier ist eine japanische Unglückszahl, das Pendant zur deutschen Dreizehn. „Harmonisch“, so Heidi Gierschewski, „ist das Asymmetrische“.
Mit jedem Griff der Kursleiterin rücken japanische Kultur und Denkweise näher. In der klassischen Shoka-Schule beispielsweise darf das Arrangement nur von vorn betrachtet werden, denn die Kunst liegt in der geraden Linie der Stängel der Hauptlinie. Da wird auch mal der Bambus mit dem Hammer eingeschlagen. Doch auch moderne Arrangements hat Gierschewski, die das erste und zweite Lehrdiplom für Ikebana hat, im Repertoire: Wenn Yuccapalmenblätter im Flechtsystem in einer Kugelvase arrangiert werden, ist ein Arrangement auch schon mal einen Meter hoch.

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23. November 2011  | Von René Granacher

Hauchen, um Elfen loszueisen

Theater: Laienspielgruppe Leeheim begeistert mit „Wie Puck Weihnachten rettet“ in der Sport- und Kulturhalle

Weihnachten verhindern will die Eisprinzessin im Theaterstück  „Wie Puck Weihnachten rettet“, das die Leeheimer Laienspielgruppe am Samstag und Sonntag in der Sport- und Kulturhalle aufführte. Damit ihr Vorhaben gelingt, soll der Eiswind Sausebraus alles vereisen, damit der Bäcker kein Gebäck mehr backen   und der Weihnachtsmann nicht aus dem Haus kann. 13 Kinder wirkten mit, darunter Stefanie Karpowski als Eisprinzessin und Annika Reißner  als Eiswind. Foto: Robert Heiler

| Vergrößern | Weihnachten verhindern will die Eisprinzessin im Theaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“, das die Leeheimer Laienspielgruppe am Samstag und Sonntag in der Sport- und Kulturhalle aufführte. Damit ihr Vorhaben gelingt, soll der Eiswind Sausebraus alles vereisen, damit der Bäcker kein Gebäck mehr backen und der Weihnachtsmann nicht aus dem Haus kann. 13 Kinder wirkten mit, darunter Stefanie Karpowski als Eisprinzessin und Annika Reißner als Eiswind. Foto: Robert Heiler

LEEHEIM. 




Viele Kinder und Erwachsene kamen am Wochenende zu den Aufführungen der Geschichte „Wie Puck Weihnachten rettet“ in der Sport- und Kulturhalle. Sie erlebten ein aufwendig gestaltetes und stimmungsvolles Stück, das Spannung und Humor verband. In der Besetzung glänzten einige sehr gute Laienspieler, die auch das Publikum stark in die Handlung einbezogen. Die Kinder mussten den beiden strafversetzten und dann ausgerückten Weihnachtselfen Puck und Mickie helfen: Nicht nur bei der Reparatur ihres eigenen Unfugs, sondern auch noch dabei, den Plan der bösen Eisprinzessin zu vereiteln.
Diese kalte Dame nämlich wollte statt des Weihnachtszaubers einen eiskalten Fluch auf die Erde fallen lassen. Damit die beiden frechen Elfen das vereiteln konnten, mussten die jungen Zuschauer beispielsweise alle zusammen hauchen, um den festgefrorenen Puck zu befreien, oder mit ihren guten Wünschen für andere zum Anmischen eines neuen Weihnachtszaubers beitragen. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei, stifteten bei Bedarf auch Schals oder Mützen, und sparten dabei nicht mit ihren Kommentaren zum Geschehen, die manchmal zu lautstarken Streitgesprächen wurden.
Getragen wurde das Stück ganz wesentlich vom sicheren Spiel der beiden Elfen: Aaron und Saphira Thurn verkörperten Puck und Mickie als Sympathieträger trotz ihrer allzu menschlichen Schwächen.
Ansonsten waren es häufig die jungen Mitspieler, die auf der Bühne am meisten überzeugten: Annika Reißner als Eiswind Sausebraus, Mira Erckmann als Sternenmädchen Funkelfein und ganz besonders Lisa Reinhardt als souverän und überzeugend natürlich aufspielender Weihnachtsengel. Die Leeheimer Laienspielgruppe muss sich mit solchem Nachwuchs keine Sorge um ihre Zukunft machen.
Die Kinder litten wohl auch weniger unter der Nervosität einiger älterer Mitspieler, die etwa den Oberelfen Thomasius (Eileen Leistner) seinen langen Eingangstext allzu schnell herunterrattern ließ. Noch an anderen Stellen hätte man den Text kürzen und deutlicher sprechen können, um ihn für die Kinder besser erfassbar zu machen. Auch Scherze über Freibier oder „Geiz ist geil“ kamen bei der Zielgruppe nicht an.
Insgesamt aber hatten alle Zuschauer ihren Spaß an den Aufführungen, verfolgten sie aufmerksam und geizten nicht mit Applaus. Der galt auch Ulrike Urban und Angela Gerhardt, die als Regisseurinnen für das Gelingen des Stücks verantwortlich waren, sowie den zahlreichen Helfern hinter der Bühne.

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29. November 2011  | Von Anke Mosch

Mit Musik und leiblichen Genüssen

Weihnachtsmarkt: Erleichtert feiern die Leeheimer auch in diesem Jahr den Start in den Advent – Bescheidener als sonst

Bestens besucht war am Samstag der Weihnachtsmarkt rund um die evangelische Kirche Leeheim. Gleich zu Beginn stimmte der Musikzug unter der Leitung von Ernst Schaffner die zahlreichen Besucher weihnachtlich ein. Foto: Robert Heiler

| Vergrößern | Bestens besucht war am Samstag der Weihnachtsmarkt rund um die evangelische Kirche Leeheim. Gleich zu Beginn stimmte der Musikzug unter der Leitung von Ernst Schaffner die zahlreichen Besucher weihnachtlich ein. Foto: Robert Heiler

LEEHEIM. 




Die Erleichterung war Frank Fischer, aber auch den vielen Besuchern des Weihnachtsmarkts, deutlich anzusehen. Nachdem es vor einigen Wochen noch so ausgesehen hatte, als ob es nach 17 Jahren zum ersten Mal kein gemütliches Treffen am ersten Adventswochenende geben würde, strömten die Leeheimer zur Eröffnung am Samstag nur so herbei, um bei Glühwein, Kinderpunsch und weihnachtlicher Musik ein Schwätzchen zu halten und die Adventszeit einzuläuten.
Um 16 Uhr eröffnete Bürgermeister Werner Amend offiziell den ersten der Riedstädter Weihnachtsmärkte, und Frank Fischer hielt seine Premierenansprache als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weihnachtsmarkt Leeheim. Er war eingesprungen, nachdem sich nach dem Rücktritt von Silke Winter-Gerth zunächst kein Nachfolger gefunden hatte und Weihnachtsmarkt samt festlicher Beleuchtung vor dem Aus standen (wir haben berichtet).
Am Samstag zeigte sich der neue Vorsitzende begeistert vom Engagement der Vereine und Organisationen. „Ich habe alle zusammentrommeln können, und alle haben mit angepackt.“ Zehn Vereine waren am Samstag und Sonntag zum Teil mit mehreren Ständen ihrer Abteilungen rund um die evangelische Kirche vertreten und sorgten vor allem für das leibliche Wohl. So gab es viel wärmende Getränke wie den „Löschmeister“ der Jugendfeuerwehr, eine so heiße wie hochprozentige Mischung aus Kakao, Batida de Coco und Apricot Brandy mit Sahnehaube und Schokostreuseln.
Aber auch verhungern musste niemand. Die Landfrauen boten selbst eingekochte Latwerge und Marmelade an, der Laurentiusorden Grillbraten und Waffeln die Tennisjugend. Beim Heimat- und Geschichtsverein sowie der Jugendabteilung der Germania Fußballer gab es Würstchen und Co, Flammkuchen bei der DRLG, und auch „Brunos Räucherofen“ war mit allerlei Fischspezialitäten vertreten. Nebenan ließ Ehefrau Edith Grischek Interessierte an Likören und Schnäpsen probieren und hatte auch hochwertige Öle und Essige im Angebot. Abgefüllt in Glasflaschen gaben sie ein nettes Weihnachtspräsent.

Weitere Geschenkideen fanden sich bei der evangelischen Kirchengemeinde mit kunstfertig aus Silberdraht und Glasperlen gefertigten Sternen, Holzarbeiten und vielen mehr. Für den Stand der evangelischen Kindertagesstätte hatten die Kleinen Sterne aus Filz gearbeitet und die Schulkinder lange Sternenketten. Sogar eine Neuerung gab es: „Wir haben jetzt ein eigenes Zelt für den Weihnachtsmann“, erklärte Frank Fischer. Zwischen Heustapeln konnte der Mann mit rotem Mantel und weißem Rauschebart an beiden Tagen in einem gemütlichen Ohrensessel Platz nehmen, Gedichten und Liedern der Kinder lauschen und seine guten Gaben verteilen. Für Stimmung sorgte auch ein Musikprogramm: Spielten am Samstag Jugend und Spielmannszug des FC Germania, waren am Sonntag Posaunenchor und Gospelchor zu hören.
Wer ein wenig Ruhe von dem weihnachtlichen Trubel suchte, fand sie in der Kirche. Dort lud die Ausstellung „Ein Weg zu den Ich-bin-Worten Jesu“ zum Mitmachen ein. Mitten in der Kirche stand eine Tür. „Ich bin die Tür“ hieß der dazugehörige Jesu-Spruch. Flackernde Kerzen auf dem Boden wiesen den Weg („Ich bin der Weg“), auf dem Altar lag ein großer Laib Brot („Ich bin das Brot der Welt“), und in einem großen Stern konnten die Besucher selbst Teelichter entzünden und hineinstellen zu „Ich bin das Licht der Welt“.
Draußen rund um die Kirche fiel auf, dass der Markt doch deutlich kleiner war, als in früheren Jahren. So gab es mit Kornelia Mehring auch nur eine Privatperson, die selbst Gebasteltes anbot. Sie präsentierte in ihrer Hütte Strickwaren von Socken, Pullovern über Schmuckkragen bis zu Mützen und Handschuhen. „Das ganze Sortiment für kalte Tage“, lachte sie. Entstanden sind die vielen Sachen an langen Fernsehabenden. „Ich kann gar nicht ohne Strickzeug vor dem Fernseher sitzen.“
Natürlich bedauert Frank Fischer, dass in diesem Jahr kaum Privatpersonen vertreten waren. Aber er ist optimistisch: „Die holen wir alle wieder!“ Gelegenheit dazu wird er haben, denn er sieht sich nicht als Eintagsfliege. „Ich mache das noch ein paar Jahre. Sie haben mich gewählt, jetzt bleib’ ich auch.“ Die Leeheimer wird es freuen. Die Zukunft des Weihnachtsmarkts scheint gesichert.

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