Gebete, Gymnastik und Geselligkeit
Kirche: Seit hundert Jahren gibt es die Treffen der evangelischen
Frauenhilfe Leeheim
LEEHEIM.
Von „F“ wie Freude und „R“ wie Religion bis zu „E“ wie
Engagement und Erlebnis: Farbenfroh künden Stichworte auf dem
handgemalten Plakat, wofür evangelische Frauenhilfe in Leeheim steht.
Gestaltet haben es die Frauen bei einer ihrer geselligen Zusammenkünfte
mittwochs im Gemeindehaus.
Diese Treffen haben eine lange Tradition in Leeheim: Vor hundert Jahren
kamen Frauen erstmals in der Wohnung der Krankenschwester Anna Fanta
zusammen, um den „Frauenverein“ zu gründen. Dieser wurde später in
„Evangelische Frauenhilfe“ umbenannt. Seitdem kamen Frauen wöchentlich
zusammen, um gemeinsam zu beten und zu singen, Lebenshilfe zu geben und
über Glaubensfragen zu sprechen.
Der Frauentreff erhielt einen solchen Zulauf, dass die Wohnung bald zu
klein dafür war – und der Umzug in den alten Rathaussaal und dann in
ein im Pfarrhaus neu eingerichtetes Gemeindezimmer erfolgte. Auch das
wurde rasch zu klein. 1936 wurde unter dem damaligen Pfarrer Preß ein
Gemeindesaal gebaut, der auch Platz für die Frauenstunden bot.
Die Gründung der Frauenhilfe fiel in das Jahr, in dem auch der erste
Internationale Frauentag begangen wurde. Auf diesen Zusammenhang wies
Anna Schäfer, kürzlich verstorbene langjährige Vorsitzende der
Frauenhilfe, in dem Text hin, den sie für den Festgottesdienst anlässlich
der 100-Jahr-Feier vorbereitet hatte. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits
so schwer erkrankt, dass ihre Tochter Gerlinde Schad in Vertretung den
Text vorlas.
Zurzeit leitet Pfarrer Jürgen Bode kommissarisch die Zusammenkünfte
der Frauenhilfe, während Rosemarie Müller und Elisabeth Heyse sich um
liebevoll eingedeckte Tische, Kaffee und Kuchen kümmern. Denn nach wie
vor versammeln sich die Frauen zu Andacht und Gebet, aber auch zum Erzählen
und Beraten, gymnastischen Übungen und zu Ratespielen. Die Gruppe ist
im Laufe der Zeit kleiner geworden, doch 25 bis 30 Frauen sind jede
Woche dabei, schätzt Rosemarie Müller.
Auch die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen ist seit der Gründung
ein wichtiges Anliegen der evangelischen Frauen. So wird an gemeinnützige
Vereine gespendet, werden Altkleidersammlungen für die Nieder-Ramstädter
Heime organisiert und betagte Menschen zum Geburtstag oder bei Krankheit
besucht.
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„Das Zusammenspiel ist wichtig“
Kirchenmusik: Der evangelische Posaunenchor Leeheim feiert sein fünfzigjähriges
Bestehen mit Konzerten
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| „Blech pur“ gab es beim Fest zum fünfzigjährigen
Bestehen des Leeheimer Posaunenchors in der Kirche zu hören.
Foto: Robert Heiler
LEEHEIM.
Festliche Klänge von Posaunen und Trompeten begrüßten mit dem „Festive
March“ die Besucher der evangelischen Kirche Leeheim. Der Marsch
bildete den Auftakt des Gottesdiensts am Sonntagabend und zugleich de
Abschluss des Jubiläumswochenendes des Leeheimer Posaunenchors.
Vor genau 50 Jahren hatte das Ensemble seinen ersten öffentlichen
Auftritt, erinnert sich Ernst Jung, einer der vier Männer der ersten
Stunde. Damals sei er noch Konfirmand gewesen und habe den Chor erstmals
beim Erntedankfest gehört. Und das wurde damals am Sonntag vor dem
Volkstrauertag gefeiert; denn das ließ den Leeheimer Bauern genug Zeit,
ihre Rübenernte einzubringen.
„Die Musik hat mir immer gut gefallen. Nach meiner Konfirmation bin
ich sofort in den Posaunenchor eingetreten“, erzählt Jung weiter. Und
da ist er bis heute aktiv mit der Zugposaune.
Nach dem musikalischen Auftakt hatte Pfarrer Jürgen Bode seine Predigt
ganz auf das Jubiläum ausgerichtet. Der Posaunenchor sei wichtiger
Bestandteil der Gemeindearbeit und begleitete auch schon viele
Veranstaltungen außerhalb der Kirche. „Menschen, die sonst nicht
mitsingen, trauen sich bei den Posaunenklängen auch mal mitzusingen“,
sah Bode einen Vorzug der Kirchenmusik durch die Blechbläser. Außer
den schon in der Bibel erwähnten Posaunen besteht ein moderner Chor
auch aus Trompetern, Hornisten und Tubabläsern.
Die biblische Posaune hat mit der modernen Zugposaune wenig zu tun.
Damals war es ein ein- oder mehrfach gewundenes Widderhorn, die Schofar,
erklärte Bode. In seiner Predigt erinnerte der Pfarrer an drei
Grundfunktionen dieser Posaune: 3000 Jahre vor dem Geburtstag des
Leeheimer Chores, auf der Flucht der Israeliten aus ihrer Knechtschaft
unter dem Pharao war die Posaune Begleitmusik zur Offenbarung Gottes
(Zweites Buch Mose 19). „Die Posaune ruft: Gott ist da und verspricht
Freiheit“, erklärte Bode die erste Grundfunktion.
Die Posaunen von Jericho sind wahrscheinlich das bekannteste Beispiel.
Damals ließen die Posaunen Mauern der Stadt einstürzen (Josua 6).
„Heute geht um das Einreißen von Mauern in unseren Köpfen und
Herzen“, erklärte Bode die zweite Grundfunktion.
Und als dritte Grundfunktion erinnerte der Pfarrer an die Offenbarung
des Propheten Johannes, der in einer Vision Posaunenklänge als Vorspiel
auf die himmlische Erlösung vernahm (Offenbarung 11).
Während des Gottesdienstes zeigten die Posaunisten aus Leeheim
gemeinsam mit befreundeten Ensembles, wie Posaunenklänge auch Balsam für
die Seele sein können. In modernen Arrangements und swingenden Rhythmen
wurden die Kirchenlieder „Danke für diesen guten Morgen“ –
abgewandelt in guten Abend –, „Unser Leben sei ein Fest“ und eine
musikalische Form des „Vater unser“ zu einem besonderen Erlebnis.
In einem Workshop hatten die Posaunenchöre den gemeinsamen Auftritt
geprobt. Benny Scholian (Leiter des Leeheimer Ensembles) und
Landesposaunenwart Frank Vogel leiteten den Workshop.
Frank Vogel überbrachte auch die Grüße des Posaunenwerks der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und ehrte die vier Männer der
ersten Stunde für fünfzigjährige Mitgliedschaft: Werner Friedrich,
Ernst Jung, Hans Lochmann und Günther Krüger. Sie erhielten als
besonderes Geschenk einen limitierten Druck aus der Werkstatt eines
Dieburger Künstlers. Das Kunstwerk zeigt einen Posaunenchor, bei dem
die einzelnen Personen nicht genau zu erkennen seien, erklärte Vogel.
„Denn nicht die einzelnen Personen, sondern das Zusammenspiel ist
wichtig.“
Vogel hatte am Vorabend auch ein besonderes Geburtstagsgeschenk für den
gesamten Chor mitgebracht – ein Konzert des Auswahlchors des
Hessischen Posaunenwerks „Blech Pur“. Die zehn Musiker erfreuten mit
einem Konzert, in dem nahezu alle musikalischen Stilrichtungen zu hören
waren.
Am Ende ließ Vogel die Besucher in der Kirche selbst einen
Posaunencheck vornehmen: „Einatmen, ausatmen wie ein Pferd, einatmen
und ausatmen wie ein Motorrad“, kommandierte er. „Jetzt fehlen nur
noch Mundstück und Instrument und auch Sie können mitmachen.“
Mit dieser Einladung zur wöchentlichen Probe montags um 20 Uhr in der
Kirche endete der offizielle Teil und der Abend klang im Pfarrhaus bei
einem liebevoll zubereiteten Imbiss aus.
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Arbeitsgemeinschaft findet Führungsspitze
Weihnachtsmarkt: Zweitägige Veranstaltung läuft am letzten
November-Wochenende
LEEHEIM.
Der Leeheimer Weihnachtsmarkt geht am Samstag (26.) und Sonntag (27.)
wie geplant über die Bühne. Denn der Arbeitsgemeinschaft
Weihnachtsmarkt ist es bei ihrer Zusammenkunft am Montagabend nun doch
gelungen, eine Führungsspitze zu wählen, geht aus einer
Pressemitteilung hervor. Frank Fischer ist neuer Vorsitzender, Marko Müller
neuer Rechner.
Bis Montag hatte es danach ausgesehen, als würde es in diesem Jahr
keinen Weihnachtsmarkt geben, nachdem sich die langjährige Führungsspitze
mit Vorsitzender Silke Winter-Gerth und Rechner Ludwig Jung zurückgezogen
hatte und sich zunächst keine Nachfolger gefunden hatten. Mit dem Markt
ist nun auch die Leeheimer Weihnachtsbeleuchtung gesichert, die aus dem
Erlös der zweitägigen Veranstaltung finanziert wird.
Weiter wurde in der jüngsten Zusammenkunft beschlossen, die
Weihnachtsbeleuchtung zu erneuern, wo es notwendig ist. Die Glühbirnen
sollen nach und nach durch energiesparendere Beleuchtungskörper ersetzt
werden. Hier möchte die Leeheimer Arbeitsgemeinschaft laut
Pressemitteilung mit anderen Riedstädter Weihnachtsmarktorganisatoren
zusammenarbeiten, um die neuen Glühbirnen kostengünstig einkaufen zu können.
Denn dies könne nicht alles aus den Standgebühren der Marktbeschicker
finanziert werden. Deshalb ist offenbar daran gedacht, die Leeheimer Bürger
um Spenden zu bitten.
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12. November 2011 | Von Kirstin Gründel
Mit dem Fahrstuhl ins Märchenland
Laienspieler: Leeheimer Nachwuchstruppe probt derzeit für das
Kindertheaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“
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| Den Weihnachtszauber freilassen will der Weihnachtsengel
(Lisa Reinhardt), und nur mit Mühe können die Elfen Puck
(Aaron Thurn) und Mickie (Saphira Thurn) ihn daran hindern. Die
Jugend der Leeheimer Laienspieler probt derzeit in der
Kulturhalle das Theaterstück „Wie Puck Weihnachten rettet“.
Foto: Robert Heiler
LEEHEIM.
Kartenverkauf
Karten kosten im Vorverkauf fünf Euro und sind bei Volksbank und
Kiosk Kunterbunt zu haben. Mittwochs zwischen 9.30 und 11.30 Uhr
werden sie auch beim Verein Tausendfüßler in Dornheim angeboten.
An der Abendkasse kostet der Eintritt sechs Euro. Die
Laienspielgruppe weist darauf in, dass alle Kinder, die laufen können,
sowie alle begleitenden Erwachsenen eine eigene Karte benötigen.
Fast ununterbrochen surrt ein Akku-Schrauber, Metallstangen
scheppern, Holzbohlen knarren, Schrauben klimpern, die Bühnenbauer
rufen sich Anweisungen zu. Während acht Männer in der einen Ecke der
Kulturhalle die Bühne aufbauen, probt in der anderen der Nachwuchs der
Laienspielgruppe für das Kindertheaterstück „Wie Puck Weihnachten
rettet“. Bei dem Lärm muss Souffleuse Ellen Wiesenäcker die Ohren
spitzen, um zu hören, bei welcher Textstelle die jungen Akteure gerade
sind, und im Notfall die passenden Stichwörter parat zu haben.
Trotz des Krachs bewahrt sie Ruhe. Seit Jahren unterstützt sie die
Laienspieler und ist daher gewohnt, dass ab und zu improvisiert werden
muss. Weil die Kulturhalle so gefragt ist, können die Akteure seit
Jahren immer erst wenige Tage vor ihren Aufführungen Bühne und Bühnenbild
fertigstellen – und dann erst unter „echten“ Bedingungen proben.
Wie Wiesenäcker nehmen es auch die Schauspieler gelassen. Bei einer der
letzten Proben vor der Aufführung – keine zwei Wochen mehr sind es
bis zur Premiere – markiert ein Stuhlkreis die Bühne. Wer gerade
nicht an der Reihe ist, wartet außerhalb auf seinen Auftritt.
Schon seit den Sommerferien proben die jungen Talente zwischen sieben
und 18 Jahren einmal wöchentlich miteinander. „Wir hatten auch ein
Intensivprobenwochenende“, berichtet Angela Gerhardt, in diesem Jahr
erstmals Co-Regisseurin neben Ulrike Urban. „Da spielen wir das Stück
öfter durch, sodass mehr hängen bleibt.“ Die Texte sitzen also gut,
und die Schauspieler setzen ihre Rollen gekonnt um. Bei dem Krach in der
Halle kommt dennoch nicht die Stimmung auf, die das Stück später
verbreiten soll. Doch Gerhardt verspricht: „Es wird richtig
weihnachtlich.“ Schließlich entführten Puck und Co. das Publikum ins
Weihnachtswunderland.
Fahrstuhlführer Aufundab (Felix Tomalla), der sich anfangs unters
Publikum mischt, lässt die Zuschauer quasi in seinen Lift einsteigen.
Die Fahrt führt sie zu den beiden Weihnachtselfen Puck (Aaron Thurn)
und Mickie (Saphira Thurn), die wegen ihrer Frechheiten und Neugierde
aus dem Weihnachtswunderland geworfen wurden. Schnell steigen sie zu, um
zu ihren Freunden zurückzukehren.
Oberelf Thomasius (Eileen Leistner) ist nicht begeistert, dass der
Aufzug Menschenkinder ins Weihnachtswunderland bringt. Zu allem Unglück
verstreut das Sternenmädchen Funkelfein (Mira Erckmann) den
Sternenglanz fürs Weihnachtswunder, und Puck verschüttet den ganzen
Weihnachtszauber. Weihnachten muss also ausfallen! Das freut die fiese
Eisprinzessin (Stephanie Karpowski) und ihre Gehilfen Flitz und Zaster
(Luise Nold, Jennifer Sills). Doch sie haben die Rechnung ohne Puck und
Mickie gemacht, die sich im Publikum versteckt haben und mit diesem
Weihnachten retten wollen.
Dass die jungen Akteure dieses Jahr eine Weihnachtsgeschichte aufführen,
war ihr eigener Wunsch. Sie wollten nicht schon wieder einen Märchenstoff
umsetzen, erinnert sich Urban. Da sei sie auf die Geschichte mit Puck
gestoßen und habe sie sogleich ausgewählt. „Wenn man die Texte
liest, weiß man schon, wer was spielen soll“, grinst sie. Sie kenne
die Kinder schon lange und könne gut einschätzen, welche Rolle zu wem
passt. Mit Mira Erckmann (7) und Anna Heger (9) geben in diesem Jahr übrigens
zwei Mädchen ihr Debüt auf der Bühne. Jonas Lessenich dagegen, der
den Weihnachtsmann mimt, ist schon routiniert: Er spielt seit rund zehn
Jahren bei den Laienspielern mit.
Das zauberhafte und spannende Weihnachtsmärchen in zwei Akten dauert
rund anderthalb Stunden und ist für Kinder ab drei Jahren geeignet.
Aufführungen sind am Samstag (19.) und Sonntag (20.) um 17 Uhr in der
Sport- und Kulturhalle (An der Sporthalle 3). Einlass ist ab 16.15 Uhr.
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Romantisch, aber auch gut für Bach
Konzert: Evangelische Gemeinde Leeheim lässt drei Musiker bei der
Orgel nach der Sanierung alle 16 Register ziehen
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| Deutlich entstaubt klingt die sanierte Orgel in der
evangelischen Kirche Leeheim. Mit einem Konzert mit Wilhelm Rühl,
Gunhild Streit und Evert Groen (von links) weihte die Gemeinde
am Samstabend das Instrument nach der gründlichen Reinigung
wieder ein. Foto: Robert Heiler
LEEHEIM.
„Die Trompete ist jetzt fast etwas zu laut“, meinte der langjährige
Organist Wilhelm Rühl: Seit das Register vom Staub mehrerer Jahrzehnte
befreit wurde, erklingt es noch klarer von der Empore des Gotteshauses.
Rühl eröffnete am Samstagabend das Orgelkonzert, das die
abgeschlossene Sanierung des Instruments mit einer Auswahl ganz
unterschiedlicher Musikstücke feierte. Neben dem Organisten aus
Wallerstädten spielten dabei auch die Dekanatskantorin Gunhild Streit
aus Gernsheim sowie der aus den Niederlanden stammende Musiker Evert
Groen.
Als Laie höre man wohl keinen Unterschied, bekannte Pfarrer Jürgen
Bode in seiner Begrüßung. Dennoch sei die Sanierung im Sommer, bei der
auch das Erscheinungsbild des Orgelprospekts modernisiert wurde, überfällig
gewesen. Im Allgemeinen sollte eine Orgel alle 30 Jahre gereinigt werden
– für das Leeheimer Instrument war es die erste Überholung seit
seiner Aufstellung 1968. 1912 gebaut, war es zunächst im Taunus zu
Hauses und kam ins Ried als Ersatz für die Dreymann-Orgel, die im
Zweiten Weltkrieg mit der Kirche verbrannt war. Das Klangbild der 16
Register habe einen romantischen Charakter, erklärte Rühl, eigne sich
aber auch gut für die Musik Bachs.
Der war es denn auch, der das Konzert besonders prägte. Wilhelm Rühl
begann das Programm mit einem tongewaltig triumphierenden Präludium
C-Dur, bevor er fünf von Bachs „Schübler-Chorälen“ spielte. Diese
hat der Komponist nach 1746 von einigen seiner früher veröffentlichten
Kirchenkantaten adaptiert, es finden sich darunter bekannte Werke, wie
„Wer nur den lieben Gott lässt, walten“. Der Charakter der
einzelnen Choräle ist ganz verschieden: Erklingt etwa die Weise von
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ schnarrend vor einem melodischen
Hintergrund, so spielt bei „Meine Seele erhebt den Herren“
eigentlich die schöne Bassbegleitung die Hauptrolle. Im Choralvorspiel
zu „Nun danket alle Gott“ wird die vertraute Weise des Kirchenliedes
vielfältig umspielt.
Auch Gunhild Streit spielte Bach: Präludium, Largo und Fuge in C-Dur,
was nach ihrer Erläuterung eine damals eher ungewöhnliche Struktur
war. Das dreistimmige Largo kam wohl hinzu, weil das Präludium in
diesem Fall besonders kurz ausfällt. Bevor Streit noch einmal mit einem
zeitgenössischen Orgelwerk zu hören war, oblag es Evert Groen, den
musikalischen Übergang zu ermöglichen. Das tat er mit zwei
Improvisationen: Erst einer Übertragung des Beatles-Stücks „Hey
Jude“ in den Stil Bachs, dann der Verarbeitung schneller Tanzmelodien,
bei denen das ehrwürdige Instrument plötzlich kein bisschen mehr behäbig
klang, sondern fast schon wie ein modernes Keyboard.
Den Abschluss des Programms bildete dann „Merck toch, hoe sterck“,
ein in den Niederlanden beliebtes Kampflied aus der Zeit des Kriegs mit
Spanien. Streit spielte die Variationenreihe, die der Holländer Cor Kee
(1900 bis 1997) über die Melodie geschrieben hat. Unter diesen waren
sehr moderne Fassungen, deren Arrangements die Möglichkeit gaben, auch
ungewohnte Klangfarben der Leeheimer Orgel kennenzulernen.
Das Publikum bedachte die drei Musiker am Ende mit langem Applaus und
leistete am Ausgang seinen Beitrag zur Orgelsanierung: Von den Kosten,
rund 28 000 Euro, hat die Gemeinde bisher etwa 15 000 Euro
durch Spenden aufbringen können.
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„Vier geht gar nicht“
Ikebana: Leeheimer Gartenbauer zaubern japanisch angehauchte
Weihnachtsgestecke
LEEHEIM.
Eng ist es in der Hütte des Obst- und Gartenbauvereins am Ortsrand.
Dennoch haben sich zehn Neugierige dort eingefunden, um von
Ikebanakursleiterin Heidi Gierschewski aus Gernsheim etwas über die
japanische Kunst des Blumensteckens zu lernen (wir berichteten). Sie
erfahren, dass es die drei Hauptlinien Shin (Himmel), Soe (Mensch) und
Hikae (Erde) gibt und dass man Blumen immer unter Wasser gerade
anschneiden sollte, um ihre Lebensdauer zu verlängern. Nebenbei gibt es
eine Einführung in die Farbenlehre, die Möglichkeiten des Kenzan (der
Steckplatte) werden erörtert.
Unter Gierschewskis Händen entsteht Herbstarrangement um
Herbstarrangement in unterschiedlichen Vasentypen. Sogar eines, das sich
über zwei Vasen erstreckt, ist dabei. Immer kommt Ikebana, was
„lebende Blume“ bedeutet, dabei mit wenig Material aus. Die Kunst
des Arrangierens steht im Fokus.
„Die einzelne Blüte muss zur Schönheit gebracht werden“, so
Gierschewski, die während ihres Vortrags viel heimisches Gartenmaterial
in Kunstobjekte verwandelt. Sauberes Wasser muss in den Schalen sein, so
die Ikebanakünstlerin, die sich seit mehr als 20 Jahren mit der
asiatischen Steckkunst beschäftigt und weltweit anerkannt ist. Auch in
Japan war sie schon – um selbst zu lernen.
Bei ihren Vorführungen herrscht andachtsvolle Stille, während im
Nebenraum das Mittagessen köchelt. Denn nach dem Vortrag wird gemeinsam
gespeist, und dann gehen die Teilnehmer selbst ans Werk. Auf
Schieferplatten sollen weihnachtliche Arrangements entstehen. Doch
zuerst heißt es weiter lernen. So darf keines der Jushis (Seitenlinien)
eine Hauptlinie überragen, und die Farben der Gräser, Blumen und Hölzer
müssen zur Vase passen. Doch Ikebana, die Kunst zwischen Verstecken und
Zeigen, ist auch gnadenlos: Zum Entsetzen so mancher Teilnehmerin wird
radikal weggeschnitten, was die Gesamtkomposition stört. So erfahren
die interessierten Zuhörer auch, dass „vier gar nicht geht“. Denn
Vier ist eine japanische Unglückszahl, das Pendant zur deutschen
Dreizehn. „Harmonisch“, so Heidi Gierschewski, „ist das
Asymmetrische“.
Mit jedem Griff der Kursleiterin rücken japanische Kultur und Denkweise
näher. In der klassischen Shoka-Schule beispielsweise darf das
Arrangement nur von vorn betrachtet werden, denn die Kunst liegt in der
geraden Linie der Stängel der Hauptlinie. Da wird auch mal der Bambus
mit dem Hammer eingeschlagen. Doch auch moderne Arrangements hat
Gierschewski, die das erste und zweite Lehrdiplom für Ikebana hat, im
Repertoire: Wenn Yuccapalmenblätter im Flechtsystem in einer Kugelvase
arrangiert werden, ist ein Arrangement auch schon mal einen Meter hoch.
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23. November 2011 | Von René
Granacher
Hauchen, um Elfen loszueisen
Theater: Laienspielgruppe Leeheim begeistert mit „Wie Puck
Weihnachten rettet“ in der Sport- und Kulturhalle
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| Weihnachten verhindern will die Eisprinzessin im Theaterstück
„Wie Puck Weihnachten rettet“, das die Leeheimer
Laienspielgruppe am Samstag und Sonntag in der Sport- und
Kulturhalle aufführte. Damit ihr Vorhaben gelingt, soll der
Eiswind Sausebraus alles vereisen, damit der Bäcker kein Gebäck
mehr backen und der Weihnachtsmann nicht aus dem Haus kann. 13
Kinder wirkten mit, darunter Stefanie Karpowski als
Eisprinzessin und Annika Reißner als Eiswind. Foto: Robert
Heiler
LEEHEIM.
Viele Kinder und Erwachsene kamen am Wochenende zu den Aufführungen der
Geschichte „Wie Puck Weihnachten rettet“ in der Sport- und
Kulturhalle. Sie erlebten ein aufwendig gestaltetes und stimmungsvolles
Stück, das Spannung und Humor verband. In der Besetzung glänzten
einige sehr gute Laienspieler, die auch das Publikum stark in die
Handlung einbezogen. Die Kinder mussten den beiden strafversetzten und
dann ausgerückten Weihnachtselfen Puck und Mickie helfen: Nicht nur bei
der Reparatur ihres eigenen Unfugs, sondern auch noch dabei, den Plan
der bösen Eisprinzessin zu vereiteln.
Diese kalte Dame nämlich wollte statt des Weihnachtszaubers einen
eiskalten Fluch auf die Erde fallen lassen. Damit die beiden frechen
Elfen das vereiteln konnten, mussten die jungen Zuschauer beispielsweise
alle zusammen hauchen, um den festgefrorenen Puck zu befreien, oder mit
ihren guten Wünschen für andere zum Anmischen eines neuen
Weihnachtszaubers beitragen. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei,
stifteten bei Bedarf auch Schals oder Mützen, und sparten dabei nicht
mit ihren Kommentaren zum Geschehen, die manchmal zu lautstarken
Streitgesprächen wurden.
Getragen wurde das Stück ganz wesentlich vom sicheren Spiel der beiden
Elfen: Aaron und Saphira Thurn verkörperten Puck und Mickie als
Sympathieträger trotz ihrer allzu menschlichen Schwächen.
Ansonsten waren es häufig die jungen Mitspieler, die auf der Bühne am
meisten überzeugten: Annika Reißner als Eiswind Sausebraus, Mira
Erckmann als Sternenmädchen Funkelfein und ganz besonders Lisa
Reinhardt als souverän und überzeugend natürlich aufspielender
Weihnachtsengel. Die Leeheimer Laienspielgruppe muss sich mit solchem
Nachwuchs keine Sorge um ihre Zukunft machen.
Die Kinder litten wohl auch weniger unter der Nervosität einiger älterer
Mitspieler, die etwa den Oberelfen Thomasius (Eileen Leistner) seinen
langen Eingangstext allzu schnell herunterrattern ließ. Noch an anderen
Stellen hätte man den Text kürzen und deutlicher sprechen können, um
ihn für die Kinder besser erfassbar zu machen. Auch Scherze über
Freibier oder „Geiz ist geil“ kamen bei der Zielgruppe nicht an.
Insgesamt aber hatten alle Zuschauer ihren Spaß an den Aufführungen,
verfolgten sie aufmerksam und geizten nicht mit Applaus. Der galt auch
Ulrike Urban und Angela Gerhardt, die als Regisseurinnen für das
Gelingen des Stücks verantwortlich waren, sowie den zahlreichen Helfern
hinter der Bühne.
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29. November 2011 | Von Anke
Mosch
Mit Musik und leiblichen Genüssen
Weihnachtsmarkt: Erleichtert feiern die Leeheimer auch in diesem Jahr
den Start in den Advent – Bescheidener als sonst
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| Bestens besucht war am Samstag der Weihnachtsmarkt rund um
die evangelische Kirche Leeheim. Gleich zu Beginn stimmte der
Musikzug unter der Leitung von Ernst Schaffner die zahlreichen
Besucher weihnachtlich ein. Foto: Robert Heiler
LEEHEIM.
Die Erleichterung war Frank Fischer, aber auch den vielen Besuchern des
Weihnachtsmarkts, deutlich anzusehen. Nachdem es vor einigen Wochen noch
so ausgesehen hatte, als ob es nach 17 Jahren zum ersten Mal kein gemütliches
Treffen am ersten Adventswochenende geben würde, strömten die
Leeheimer zur Eröffnung am Samstag nur so herbei, um bei Glühwein,
Kinderpunsch und weihnachtlicher Musik ein Schwätzchen zu halten und
die Adventszeit einzuläuten.
Um 16 Uhr eröffnete Bürgermeister Werner Amend offiziell den ersten
der Riedstädter Weihnachtsmärkte, und Frank Fischer hielt seine
Premierenansprache als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
Weihnachtsmarkt Leeheim. Er war eingesprungen, nachdem sich nach dem Rücktritt
von Silke Winter-Gerth zunächst kein Nachfolger gefunden hatte und
Weihnachtsmarkt samt festlicher Beleuchtung vor dem Aus standen (wir
haben berichtet).
Am Samstag zeigte sich der neue Vorsitzende begeistert vom Engagement
der Vereine und Organisationen. „Ich habe alle zusammentrommeln können,
und alle haben mit angepackt.“ Zehn Vereine waren am Samstag und
Sonntag zum Teil mit mehreren Ständen ihrer Abteilungen rund um die
evangelische Kirche vertreten und sorgten vor allem für das leibliche
Wohl. So gab es viel wärmende Getränke wie den „Löschmeister“ der
Jugendfeuerwehr, eine so heiße wie hochprozentige Mischung aus Kakao,
Batida de Coco und Apricot Brandy mit Sahnehaube und Schokostreuseln.
Aber auch verhungern musste niemand. Die Landfrauen boten selbst
eingekochte Latwerge und Marmelade an, der Laurentiusorden Grillbraten
und Waffeln die Tennisjugend. Beim Heimat- und Geschichtsverein sowie
der Jugendabteilung der Germania Fußballer gab es Würstchen und Co,
Flammkuchen bei der DRLG, und auch „Brunos Räucherofen“ war mit
allerlei Fischspezialitäten vertreten. Nebenan ließ Ehefrau Edith
Grischek Interessierte an Likören und Schnäpsen probieren und hatte
auch hochwertige Öle und Essige im Angebot. Abgefüllt in Glasflaschen
gaben sie ein nettes Weihnachtspräsent.
Weitere Geschenkideen fanden sich bei der evangelischen Kirchengemeinde
mit kunstfertig aus Silberdraht und Glasperlen gefertigten Sternen,
Holzarbeiten und vielen mehr. Für den Stand der evangelischen
Kindertagesstätte hatten die Kleinen Sterne aus Filz gearbeitet und die
Schulkinder lange Sternenketten. Sogar eine Neuerung gab es: „Wir
haben jetzt ein eigenes Zelt für den Weihnachtsmann“, erklärte Frank
Fischer. Zwischen Heustapeln konnte der Mann mit rotem Mantel und weißem
Rauschebart an beiden Tagen in einem gemütlichen Ohrensessel Platz
nehmen, Gedichten und Liedern der Kinder lauschen und seine guten Gaben
verteilen. Für Stimmung sorgte auch ein Musikprogramm: Spielten am
Samstag Jugend und Spielmannszug des FC Germania, waren am Sonntag
Posaunenchor und Gospelchor zu hören.
Wer ein wenig Ruhe von dem weihnachtlichen Trubel suchte, fand sie in
der Kirche. Dort lud die Ausstellung „Ein Weg zu den Ich-bin-Worten
Jesu“ zum Mitmachen ein. Mitten in der Kirche stand eine Tür. „Ich
bin die Tür“ hieß der dazugehörige Jesu-Spruch. Flackernde Kerzen
auf dem Boden wiesen den Weg („Ich bin der Weg“), auf dem Altar lag
ein großer Laib Brot („Ich bin das Brot der Welt“), und in einem
großen Stern konnten die Besucher selbst Teelichter entzünden und
hineinstellen zu „Ich bin das Licht der Welt“.
Draußen rund um die Kirche fiel auf, dass der Markt doch deutlich
kleiner war, als in früheren Jahren. So gab es mit Kornelia Mehring
auch nur eine Privatperson, die selbst Gebasteltes anbot. Sie präsentierte
in ihrer Hütte Strickwaren von Socken, Pullovern über Schmuckkragen
bis zu Mützen und Handschuhen. „Das ganze Sortiment für kalte
Tage“, lachte sie. Entstanden sind die vielen Sachen an langen
Fernsehabenden. „Ich kann gar nicht ohne Strickzeug vor dem Fernseher
sitzen.“
Natürlich bedauert Frank Fischer, dass in diesem Jahr kaum
Privatpersonen vertreten waren. Aber er ist optimistisch: „Die holen
wir alle wieder!“ Gelegenheit dazu wird er haben, denn er sieht sich
nicht als Eintagsfliege. „Ich mache das noch ein paar Jahre. Sie haben
mich gewählt, jetzt bleib’ ich auch.“ Die Leeheimer wird es freuen.
Die Zukunft des Weihnachtsmarkts scheint gesichert.
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