Unterschriftenliste Pionierbrücke übergeben - Kappensitzung LCV

 Prächtige Stimmung von der ersten Minute an

Fastnachtssitzung: Fast fünf Stunden lachen, klatschen, singen und tanzen die Narren in Leeheim in der Kulturhalle

01. Februar 2010  | Von Kirstin Gründel

Die Finanzkrise thematisierte Protokoller Jan Melchior in der Leeheimer Kappensitzung anschaulich. Foto: Robert Heiler

Von der ersten Minute an war die Stimmung bei der Kappensitzung des Leeheimer Carneval Verein (LCV) am Samstagabend prächtig: Fast fünf Stunden lang lachten, klatschten, sangen und tanzten die etwa 300 Narren in der farbenfroh geschmückten Kulturhalle nahezu unaufhörlich. Durch das abwechslungsreiche Programm führte Sitzungspräsident Horst Reinhardt mit seinem Elferrat. Dabei feierten die Anwesenden auch das Jubiläum ,,vier Mal elf Jahre LCV" und ehrten Reinhardt selbst, der seit elf Jahren Präsident des LCV ist.

Gleich zu Beginn der Sitzung riss der Leeheimer Musikzug unter Leitung von Markus Petri die Gäste mit. Zu den Karnevalsliedern und Potpourris mit bekannten Melodien schunkelten die Jecken begeistert. Für ihren Auftritt hatten die Musiker ihre traditionellen Uniformen gegen bunte Kostüme eingetauscht.

Stephan Orth ,,schwebte" sodann als weiblicher Flaschengeist auf die Bühne und brachte mit seinen Bauchtanzeinlagen nicht nur seine Körperrundungen, sondern den ganzen Saal in Schwingung. Seine Berichte über die frivolen Wünsche, die er als Flaschengeist erfüllen soll, sorgten für schallendes Gelächter im Saal.

Nach dem Beitrag aus tausend und einer Nacht glänzten die acht Tänzerinnen der ,,Twisters", trainiert von Sabine Dörr. Die Gardemädchen in grün-weißen Kleidern verdienten sich samt Trainerin sogleich die ersten Hausorden.

Als erster Protokoller stieg Jan Melchior, gekleidet als strenger Lehrer in schwarzem Frack, in die Bütt und nahm die Wirtschaftskrise als Thema für seinen Vortrag. Er veranschaulichte an einer Schultafel, welche Wege das Geld im Wirtschaftssystem geht. Für die derzeitige Misere machte er die Banken verantwortlich, die ,,das Geld vernichten".

In farbenfrohen Kleidern - hellblau, gelb und pink - brillierte das Ballett ,,Piranhas" mit einer schwungvollen Choreografie, einstudiert von Nicole Abels, sowie Akrobatikeinlagen und vielen Show- und Lichteffekten. Das Publikum ließ die zehn Tänzerinnen, wie auch alle anderen Aktiven dieses Abends, erst nach einer Zugabe gehen.

Für lautes Gröhlen sorgten schließlich die drei Kerweborsch Sascha Reinhardt, Rainer Antoniuk und Brian Nold mit ihrer ,,Pipi-Performance", wie Horst Reinhardt den Sketch nannte. Dabei stellten sie Szenen aus der Herrentoilette dar, bevor sie die Bühne freigaben für eine ,,ganz große Frau": Claudia Froitzheim schilderte die Probleme, die sie aufgrund ihrer Körpergröße hat. Schließlich habe sie schon bei ihrer Geburt eine Länge von fast einem Meter erreicht. Nun habe sie eine Größe im Sitzen, die andere im Stehen haben. Das bereite ihr im Alltag immer wieder Probleme: beim Schuhkauf, im Kino und auch bei der Männersuche.

Nach der Pause gaben die beiden ,,Walldorfer Scherzbuben" Patrick Fiederer und Horst Schäfer eigene Kompositionen wie auch bekannte Schlager zum Besten und heiterten mit Witzen auf. So freuten sich die beiden ,,Schwergewichte", dass die Leeheimer Bühne ihnen standhielt, bevor sie in ihrer Zugabe ,,Die Vögelein vom Titicaca-See" die Narren dazu brachten, das Lied mit Gesten zu begleiten.

Wohl der Höhepunkt der Sitzung war die Zeitreise, in die fünf Mitglieder des Elferrates gemeinsam mit sechs Showtänzerinnen der ,,Fairytales" die Gäste entführten. Anlässlich seines Jubiläums zeigte der LCV Lichtbilder aus den Jahren seit seiner Gründung und illustrierte den Rückblick mit Musik und Tänzen aus den Jahrzehnten, einstudiert von Anja Schorsch unter Mitwirkung von Marlies Schorsch.

Kneipengänger Jochen Heddäus schimpfte über die ,,Simpel in Golle", über den kurvenreichen Radweg nach Leeheim und andere kommunalpolitische Entscheidungen. An Riedstadts Bürgermeister Gerald Kummer ließ er in seinem Vortrag kein gutes Haar. Seine Bilanz: ,,Wir haben zwar alle den gleichen Himmel, aber nicht unbedingt den gleichen Horizont."

Mit ,,XS" hatte sich schließlich eine Tanzgruppe unter Leitung von Annika Jung angesagt. Die 13 Tänzerinnen, ganz in schwarz-weiß gehüllt, begeisterten mit ihrer Performance, in der sie auch Hebefiguren zeigten und erhielten noch, als sie nach ihren Tänzen von der Bühne durch das Publikum stürmten, lang anhaltenden Applaus.

Das Leeheimer Ehepaar Ellen und Werner Wiesenäcker kabbelte sich schließlich auf der Bühne. In dem Zwiegespräch lästerte er vor allem über ihre Figur, und sie machte sich über seinen Körperbau lustig.

Mit einem Tanz, bei dem sie die Rollen tauschten, verabschiedeten sie sich schließlich von der Bühne, bevor Horst Reinhardt die Gruppe ,,Disaster" unter Leitung von Jessica Koch als letzte Tanzgruppe des Abends ankündigte. Die neun Tänzerinnen in schwarz-weißen Harlekinkostümen dürften mit ihren blitzschnellen Bewegungen nicht nur den Sitzungspräsidenten selbst ,,geplättet" haben, wie er meinte.

Ins Finale leitete schließlich Schlagersänger Michael Straub über. Nach seinen eher ruhigen Liedern, begleitet von Luftgitarre und echter Gitarre, heizte er dem Publikum mit dem Fliegerlied ,,So a schöner Toag" kräftig ein, bevor alle Aktiven des Abends mit einer Polonaise durch den Saal zogen.

Alleinunterhalter ,,Roland aus Leeheim", der den Abend musikalisch begleitet hatte, sorgte schließlich weiter für Stimmung.

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 Lediglich Reparaturen sind notwendig

Pionierbrücke: Leeheimer Heimatverein übergibt der Stadt Unterschriften, die den Erhalt der Brücke unterstützen sollen

24. Februar 2010  |  hhh

LEEHEIM.

Die Unterzeichnenden beantragen, dass sich die Stadt Riedstadt nachdrücklich dafür einsetzt, dass die sogenannte Pionierbrücke als Zufahrt zum Schusterwörth und zum Rhein erhalten bleibt." Diese bisher von 659 Bürgern unterschriebene Aufforderung überreichte Ludwig Jung, Leiter des Leeheimer Heimat- und Geschichtsvereins, am Montag im Goddelauer Rathaus der Ersten Beigeordneten Erika Zettel.

Seit mehr als 100 Jahren sei die Pionierbrücke die einzige Möglichkeit, auf kurzem Wege auf die Halbinsel Schusterwörth zu kommen, erläuterte er. Die Bewirtschaftung der Grundstücke dort, die erforderlichen Arbeiten am Rheinufer, für all dies sei der Weg über diese Brücke notwendig. Auch für Feuerwehr, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und andere Rettungsdienste müsse bei Notfalleinsätzen am Rhein der direkte Weg zum Fluss erhalten bleiben.

Da das Schusterwörth außerdem Naherholungsraum für zahlreiche Menschen sei, so Jung weiter, werde die Brücke als Pkw-Zufahrt zum Parkplatz genutzt, besonders von Gehbehinderten. ,,Die Brücke darf nicht den gleichen Interessen wie die Schusterwörth-Gaststätte (im ehemaligen Strommeister-Dienstgebäude) geopfert werden."

Die Unterschriftenbögen, die der Heimat- und Geschichtsverein verteilt hatte, wurden bislang von Bürgern aus 36 Kommunen unterzeichnet, darunter Dornheim, Frankfurt, Hanau, Maintal, Offenbach, Mainz und Wiesbaden.

Während des Gesprächs im Rathaus, an dem auch Bauamtsleiter Hans Domes teilnahm, vermutete Jung, dass die Brücke selbst noch mehrere Jahre tragfähig sei. Lediglich im Gelände fielen einige Arbeiten an, und die Löcher in der Fahrbahn müssten aufgefüllt werden. Dafür seien die vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) gebotenen 50 000 Euro mehr als ausreichend. Das RP war bereit, diese Summe als geschätzte Brückenabrisskosten an die Riedstädter zu zahlen - wenn das Bauwerk in städtische Verantwortung überginge. Damit hätte die Riedstadt die Brücke künftig zu unterhalten.

Das hatte die Stadt bislang abgelehnt. Dass dies zum Präzedenzfall für die anderen Verkehrswege in der Knoblochsaue werden könnte, erläuterte Hans Domes: Der Schusterwörth mit seinen rund 1500 Hektar gehört zu 73 Prozent dem Land Hessen und zu 17 Prozent dem Bund. In Riedstädter Besitz sind nur 3,8 Prozent der Fläche. Damit seien die Haupteigentümer (Land und Bund) eigentlich für die Verkehrssicherheit und den Wegeunterhalt der rund 30 Kilometer öffentlicher und Waldwege dort zuständig.

Wenn diese Wege künftig ,,entsprechend ihrer Verkehrsbedeutung eingestuft" würden, kämen auf Riedstadt vermutlich erhebliche finanzielle Belastungen zu. Das RP hatte bereits im April 2008 an das hessische Straßengesetz erinnert: Dem zufolge dient der Weg zum Schusterwörth überwiegend dem Verkehr innerhalb einer Gemeinde oder dem Verkehr zwischen Gemeinden: ,,Der Straßenzug ist deshalb als Gemeindestraße einzustufen; die Baulast liegt somit bei der Kommune, so dass diese auch für die Unterhaltung des Weges inklusive des Bauwerkes verantwortlich ist", hieß es in einer Mitteilung an die Stadt.

In diesem Zusammenhang wies Erika Zettel darauf hin, dass das Land Hessen als dessen Eigentümer den Plattenhof veräußern will.

Endgültig hat sich der Regierungspräsident noch nicht zum Riedstädter Einspruch gegen die endgültige Schließung der Pionierbrücke geäußert. Am 15. Januar hatte die Behörde eine Entscheidung bis Ende Februar zugesagt. Riedstadt werde deshalb die Unterschriften, mit denen die Interessen der Stadt unterstützt werden sollen, an das RP weiterleiten, betonte Erika Zettel.

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