Heubündeltragen - Rundgang 120 Jahre "Neujahrsloch" - DLRG gründet Akademie für Hochwasserschutz 

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 Bei Nieselregen zum Neujahrsloch führte die Gemarkungswanderung des Leeheimer Heimat- und Geschichtsvereins am Samstag. Der Verein erinnerte die Bürger dabei an das schlimme Hochwasser zum Jahreswechsel 1882/83. Die meisten Teilnehmer kannten das damals entstandene Loch noch als Badesee. FOTO: ROBERT HEILER

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Dammbruch auf 115 Metern
Neujahrsloch - Leeheimer Heimat- und Geschichtsverein erinnert an das große Hochwasser vor 120 Jahren

LEEHEIM. Viele Hochwasserzeiten hat das hessische Ried erlebt, mit zum Teil schlimmen Schäden. In der Nähe Leeheims finden sich überall verschwundene, aber in Urkunden und Karten nachgewiesene Dörfer und „ausgegangene Siedlungen“. Zur Erinnerung an das große Hochwasser, das vor 120 Jahren über den Kreis von Klein-Rohrheim bis Bischofsheim hereingebrochen war, organisierte der Leeheimer Heimat- und Geschichtsverein (HGV) seinen Gemarkungsrundgang an das damals durch. den Dammbruch entstandene Neujahrsloch vor dem Knoblochsauwald.
Trotz Nieselregen machten sich rund 90 Teilnehmer auf den Weg, um vor Ort vom HGV-Vorsitzenden Ludwig Jung, vom Berufsfischer Martin Tümmler und schließlich vom Ehrenvorsitzenden Heinrich Bonn erinnert zu werden. Aus den Niederschriften von Zeitzeugen berichtete Bonn, dass Leeheim neben unzähligen Rheinüberflutungen schon in den Jahren 1651, 1784 und 1845 unter großen Hochwassern zu leiden hatte. Dem schlimmsten Hochwasser zum Jahreswechsel 1882/83 sei ein nasser Sommer voraus gegangen. Im Herbst hatten die tiefer gelegenen Äcker unter Wasser gestanden. Ende November seien Rhein, Neckar und Main über die Ufer getreten. Die Reinschifffahrt sei frühzeitig eingestellt worden.
Ein Dammbruch bei Nackenheim und Bodenheim habe erste Überschwemmungsschäden gebracht. Am 27. Dezember, dem Wandertag der Knechte und Mägde, seien die Gewässer abermals angestiegen. Tag und Nacht sei an der Erhöhung und Befestigung der Dämme, des Landdeiches und des Ortsdammes gearbeitet worden - vergebens.

Der Damm ist gebrochen! Das Wasser kommt.“ 
Am Morgen des Neujahrstages 1883 um 9.30 Uhr sei der Damm an der Mordheckfahrt von unten heraus gebrochen. Die Dammkrone habe noch gestanden. Als auch diese eingestürzt sei, habe der Bruch eine Länge von 115 Metern, eine Breite von 25 Metern und eine Tiefe von 21 Metern erreicht. Die Dammwache sei geflohen. Der damalige Ortsdiener Jakob Härter habe die zum Morgengottesdienst versammelte Gemeinde mit den Worten „Der Damm ist gebrochen! Das Wasser kommt!“ alarmiert.
Unter Sturmgeläut hätten sich Leeheims Einwohner bemüht, ihre wichtigste Habe und das Vieh in das Oberdorf zu retten. Gegen Abend des Neujahrstages sei das Wasser bereits am Ortsdamm gestanden. Dem rasch ansteigenden Wasser hatten die zahlreichen Helfer bald nichts mehr entgegen zu setzen. Bereits um zwei Uhr nachts hätten acht Nachen mit 26 Schiffern, die von Nierstein zur Hilfe gerufen worden waren, in der Klappergasse verkehrt.
Am 2. Januar hätten sich schon zehn Kähne bemüht, Mensch und Vieh in Sicherheit zu bringen. Das Wasser sei durch einen weiteren Dammbruch bei Astheim erneut gestiegen. Obdachlos gewordene Bürger hätten im Rathaus, in den Schulsälen oder bei Bekannten Unterkunft gefunden. Im ganzen Kreis Groß-Gerau wurden 16 915 von rund 32 000 Hektar der Gesamtfläche überflutet. Leeheim zählte mit 1440 Hektar überschwemmter Fläche von einer Gesamtfläche von 1475 Hektar neben Astheim, Berkach, Geinsheim, Kornsand und Ginsheim zu den meist betroffenen Gemeinden. 

Schiffe mit Baumaterial für Baracken legten am Rathaus an
Der Chronist Johann Theis, damals selbst aktiver Feuerwehrmann, schrieb: „Ein höchst trauriger Anblick war es, als das ganze Vieh des Ortes in 34 noch nicht vom Wasser berührte Hofreiten gebracht werden musste. Die Kirche und Schulsäle waren von Menschen vollgestopft. Hilfe musste auf irgend eine Art geschaffen werden und es wurde, Gott sein Dank, geholfen.“ Groß­herzog Ludwig IV. und sein Bruder Prinz Heinrich hätten Leeheim besucht und einen Barackenbau angeordnet. Von Nierstein kommend hätten Schiffe am Rathaus mit dem Baumaterial angelegt. Feuerwehrmänner hätten Baracken für das Vieh und zur Erleichterung des Verkehrs Pritschen aufgebaut. Von den obdachlosen Einwohnern hatten 170 in Griesheim und 50 Kinder in Wolfskehlen Unterkunft gefunden. Am 4. Januar 1883 habe das Wasser seinen höchsten Stand erreicht. Die Niersteiner Schiffer seien am 10. Januar wieder zurückgekehrt.
Nicht nur Schreckliches ist vielen älteren Teilnehmern in Erinnerung geblieben. Gern dachte der eine oder andere daran zurück, dass sie vor der Inbetriebnahme des Riedsees im Sommer zum mit Sprungbrett und Umkleidekabine versehenen Neujahrsloch pilgerten, um zu baden.  evs

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Wissen gegen Überflutungen
Forschung - Lebensrettungsgesellschaft plant Hessische Akademie für Hochwasserschutz

LEEHEIM. Als bundesweit einmaliges Projekt plant der seit Jahren im Katastrophenschutz engagierte Landesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eine „Hessische Akademie für Hochwasserschutzmaßnahmen, Hochwasserforschung und Wasserrettung“. Die Gründungsversammlung ist für Samstag (11.) in Wiesbaden geplant. 

DLRG will Fachwissen bündeln und für alle nutzbar machen
Ordentliche Mitglieder der Akademie werden die Kreis- und Bezirksverbände im Landesverband Hessen sein. Daneben sucht die DLRG Fördermitglieder. Durch die Akademie wolle die DLRG das im Hochwasserschutz vorhandene, aber auf viele Köpfe verteilte Fachwissen bündeln und für alle Organisationen nutzbar machen, erläutert Hubert Carl, Referent für Tauchwesen des DLRG-Landesverbandes. Zur Mitarbeit gewonnen werden sollen auch Personen, die sich praktisch bei Hochwassereinsätzen oder in Lehr- und Forschungstätigkeit bewährt haben und spezielles Wissen zum Thema vermitteln könnten.
Zur Gründung dieser Akademie angeregt worden sei der DLRG-Landesverband durch die Jahrhunderthochwasser an Elbe und Mulde. Während der Hochwassereinsätze habe man festgestellt, dass bei den Beteiligten, Helfern, Behörden und Privatpersonen zwar großes Fachwissen vorhanden gewesen sei, aber jeweils nur in Teilbereichen, sagt Hubert Carl aus Leeheim. Ein zweihundertjähriges Hochwasser im Rhein-Neckar-Raum würde ungleich höhere Schäden nach sich ziehen, als im Bereich der Elbe oder des Oder-Durchbruchs in den neunziger Jahren. Die Akademie werde daher Präventionsmaßnahmen erarbeiten, sowohl für den öffentlichen, als auch den privaten Bereich.
Frühzeitige und umfassende Informationen über das Einsatzgebiet wären bei den beiden jüngsten Hochwasserkatastrophen von Vorteil gewesen. Daher ist laut Carl nun beabsichtigt, Ursachen und Verlauf von Hochwasserwellen zu erforschen. Deren Kenntnis könnten einem möglichen Einsatz entscheidende Impulse geben. Speziell ausgebildetes Fachpersonal sei dann besser in der Lage zusammenzuarbeiten, weil sie die Aufgabenstellung der anderen Helfer kennten.

390 Rettungstaucher in Hessen, 30 im Kreis Groß-Gerau
Thema sei auch eine effektive Hilfeleistung bei Katastrophen oder Großschadensereignissen. Die DLRG könne im Ernstfalle hessenweit auf 390 geprüfte Rettungstaucher zurückgreifen, davon allein 30 im Bezirk Groß-Gerau. Eine Aufgabe der Akademie und des zukünftigen Trägervereins sieht Carl auch darin, der Gefahrenabwehr im Bereich der Wasserrettung einen höheren Stellenwert einzuräumen. Beabsichtigt sei das Zusammenführen und Strukturieren von für die Hochwasserbewältigung relevanten Informationen und Forschungsergebnissen, die inhaltliche Vorbereitung von Forschungsprojekten sowie Fachtagungen für Angehörige der Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerkes (THW) und der Bundeswehr.                 evs

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Betrieb im Museumshof
Heubündeltragen - Viele Kinder aus Leeheim und Umgebung machen mit

LEEHEIM. Heiliger Abend, 16 Uhr. Die Kirchenglocken läuten, und plötzlich ist Leben auf Leeheims Straßen. Bei frühlingshaften Temperaturen kamen diesmal große und kleine Kinder an Mamas oder Papas hand  mit Heubündelchen aus den Häusern, um sie bei Paten, Großeltern, Freunden und Verwandten an das Eingangstor zu hängen. Für das Eselchen vom Christkind ist das heu bestimmt, erzählen die Kinder.
Unterstützt wird dieser alte Leeheimer brauch vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV). Weil es durch den Rückgang der Viehwirtschaft kaum noch Heu in Leeheims Scheunen gibt, fertigen HGV- Mitglieder die benötigten Heubündel und verteilen sie am Vormittag des Heiligen Abends im Museumshof. Über 300 Bündel waren es diesmal, drei Vorstandsmitglieder wirkten sechs Stunden daran.
Neben den Leeheimer Kindern machten auch solche aus der näheren Umgebung von dem Angebot Gebrauch. So herrschte am Dienstagmorgen reges Treiben im Museumshof. Während die Muttis zuhause dem Christkind beim Baumschmücken und anderen Vorbereitungen behilflich waren, nahmen Kinder und Väter die Heubündel im Museumshof entgegen. Für die Kleinen gab's zudem eine Tüte mit Süßigkeiten extra. Die Großen nutzten die letzten Musestunden vor dem Fest zu einem Schwätzchen und gönnten sich heißen, selbst gebrauten Äbbelwoi.    evs

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