"Strandgut" am Altrhein - Schweres Unwetter - Grundschule - Dach weg, der Unterricht geht weiter . Hoher Besuch bei der GLRG Ortsgruppe - Wutzgog am Riedsee

22. August 2011  | Von Lotte Schüler

„Oh, wie schön! Tausende von Muscheln“

„Strandgut“: Bei einer Familienwanderung lernen Teilnehmer Wissenswertes über Pflanzen, Tiere und Steine am Rhein

LEEHEIM. 

Was sich am Rheinufer so findet, nahmen die Teilnehmer einer „Strandgut“- Exkursion am Samstagnachmittag in Augenschein. Förster Ralph Baumgärtel (Zweiter von links) gab Erläuterungen zu den Funden. Foto: Robert Heiler

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Was sich am Rheinufer so findet, nahmen die Teilnehmer einer „Strandgut“- Exkursion am Samstagnachmittag in Augenschein. Förster Ralph Baumgärtel (Zweiter von links) gab Erläuterungen zu den Funden. Foto: Robert Heiler

„Oh wie schön! Muscheln, tausende von Muscheln!“ Joshua (sieben Jahre) ist begeistert, als er den Strand in der Knoblochsaue erreicht und am Ufer einen eindrucksvollen Saum mit Schalen der Flussbewohner entdeckt.
Ralph Baumgärtel, Revierleiter im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue, führt am Sonntagnachmittag zwölf Teilnehmer zum „Stromern am Strand“ an den unbefestigten Abschnitt des Rheinufers. Joshua beginnt sofort mit dem Sammeln von Muscheln, während die Erwachsenen etwas über die Geschichte der Tiere erfahren. „Das sind zwei Arten der Körbchenmuschel“, erläutert Baumgärtel „die wurden erst in den neunziger Jahren bei uns eingeschleppt – wahrscheinlich mit Ballastwasser von Schiffen aus dem Schwarzen Meer – und haben die heimische Dreiecksmuschel verdrängt. Mit dem Verschwinden der Dreiecksmuscheln wurde auch die Tauchente seltener, denn der fehlt jetzt ihr Lieblingsfutter.“ Baumgärtel zeigt noch mehr Beispiele für Vernetzungen in der Natur auf: „Silberweide und Schwarzpappel können nur auf offenen Böden wie hier am Strand siedeln, ohne Konkurrenz mit anderen Pflanzen“, erklärt der Förster. „Und mit den Bäumen kommen auch die zugehörigen Tiere.“

Joshua nutzt inzwischen den feinen Sand zum Bau einer Burg, während Baumgärtel eine weitere Besonderheit der Silberweide erwähnt: Der Baum übersteht bis zu 100 Tage Überflutung im Jahr ebenso wie die Überlagerung mit Treibholz. Der Fluss hat gerade wenig Wasser. Er kann aber über zwei Meter höher stehen – kaum vorstellbar an diesem sonnigen Nachmittag. Weiden erschließen zudem neues Land: Mit Wurzelausläufern und neuen Sprossen testet der Baum, wie weit er ans Ufer vorrücken kann. „Wir haben hier ein hochdynamisches System; der Boden wird durch Wasser und Eis laufend geändert“, weist der Förster auf die Besonderheit dieses Strandabschnitts hin. Heute seien 98 Prozent des Rheinufers befestigt, da gebe es kaum Entwicklungsmöglichkeiten für die Natur. Er hofft deshalb darauf, dass weitere Uferabschnitte entsiegelt werden und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen.
Geschichten ganz anderer Art erzählen die Steine. Geopark-Rangerin Claudia Warwel kennt sich damit bestens aus. „Vom Fluss transportiere Steine sind rund, die eckigen sind auf andere Weise hierher gekommen“, weist die Rangerin auf wichtige Unterscheidungsmerkmale hin. Helle, flache Steine sind wahrscheinlich Bruchstücke von Kalksedimenten, also Ablagerungen urzeitlicher Muscheln. Ein Test mit verdünnter Salzsäure beweist, dass es sich tatsächlich um Kalk handelt – der Stein schäumt beim Kontakt mit der Säure.
Quarzkiesel waren wahrscheinlich die Gangfüllung eines größeren Gesteinsbrockens, der schon verwittert ist. Einige schwarze Steine stammen aus dem Sediment von Radiolarien (Strahlentierchen), ebenfalls frühere Meeresbewohner, und sind von den Alpen bis Riedstadt geschwemmt worden. Sandsteine kommen aus dem Schwarzwald, Granit aus dem Odenwald. „Die Flussgeschichte kann man anhand von Steinen nachvollziehen“, sagt Baumgärtel, und Claudia Warwel untermauert das mit Hilfe einer geologischen Karte des Rheingrabens.

Für Joshua sind eindeutig die Tiere interessanter. Als Strandlauf-Käfer über den offenen Sand flitzen, versucht er, eines der räuberischen Insekten zu fangen. Doch die Käfer die entziehen sich ihm durch blitzschnellen Abflug. Einfacher ist das Aufspüren von kleinen Bachflohkrebsen, die sich unter großen Steinen im Fluss verstecken. „Die Wasserqualität des Rheins ist wieder so gut, dass sich 40 Fischarten angesiedelt haben“, berichtet der Förster, „und für einige Arten sind diese Krebse Futter.“ Auch ein Frosch schwimmt im seichten Uferwasser. Selbst der sei vermutlich bald Fischfutter: „Der ist hier untypisch, der lebt in stehenden Tümpeln und hat hier keine Chance.“
Als die Gruppe auf dem Rückweg über den Uferwall eine auf den ersten Blick unscheinbare heimische Orchidee bewundert, den Breitblättrigen Stendelwurz, zieht es Joshua wieder zum Strand, so groß ist die Faszination der vielen Muscheln.

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Abgedeckte Dächer, ausgerissene Bäume und gestoppte Autos

Unwetter: Am heftigsten traf es den Kreis Groß-Gerau – Aufräumarbeiten dauern am Donnerstag weiter an

SÜDHESSEN. 

Abgehoben: Das kurze, aber heftige Gewitter am Mittwochnachmittag hat das Dach von der Westseite des Grundschul-Neubaus in Leeheim abgedeckt und rund 30 Meter weit in den Schulagerten getragen. Foto: Robert Heiler

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Das schwere Unwetter am späten Mittwochnachmittag traf vor allem den Kreis Groß-Gerau mit etlichen Schäden. Auf der Bahnstrecke Mainz-Aschaffenburg blockierte ein umgestürzter Baum die Schienen, der Zugverkehr kam bis in den Abend zum Erliegen. Foto: Alexander HeimannAlexander Heimann

Eine Gewitterfront, die am späten Mittwochnachmittag über Südhessen gezogen ist, hat für etliche Schäden und Beeinträchtigungen im Verkehr gesorgt. In Darmstadt mussten Feuerwehr und THW mehrmals ausrücken und abgerissene Äste von den Fahrbahnen räumen. Zudem waren einige Keller vollgelaufen. Größere Schäden gab es laut Auskunft der Polizei nicht, verletzt wurde niemand. Auch im Odenwaldkreis und in Rüsselsheim kam es zu keinen nennenswerten Schäden durch das Gewitter.
Etwas turbulenter sah es im Kreis Bergstraße aus: Die Riedbahn (Frankfurt-Mannheim) musste gegen 18 Uhr zwischen Groß-Gerau-Dornberg und Lampertheim gesperrt werden, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auch auf der Main-Neckar-Bahn kam es zwischen Darmstadt und Mannheim zu Verspätungen. In Viernheim, Lampertheim-Hofheim und Lampertheim-Hüttenfeld, Bürstadt-Bobstadt und Bensheim mussten die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume und Wassermassen ausrücken. Die Einsätze waren aber meist schnell beendet.
Große Schäden gibt es hingegen im Kreis Groß-Gerau. Wegen auf die Fahrbahn gestürzter Bäume auf der A 67 zwischen Groß-Gerau und Büttelbornwar diese bis in den Abend hinein nur einspurig befahrbar. Dadurch ergab sich im Feierabendverkehr ein Rückstau von 16 Kilometern Länge bis zum Mönchhof-Dreieck, teilweise stockte es auch später noch am Rüsselsheimer Kreuz. Zwischen Groß-Gerau und Klein-Gerau war die Zugstrecke Mainz-Darmstadt wegen eines umgefallenen Baums blockiert. Die Zugstrecke von Frankfurt aus in Richtung Süden über Groß-Gerau-Dornberg wurde nach ECHO-Informationen wohl ebenfalls vorübergehend gesperrt; die S-Bahn aus Frankfurt nach Darmstadt fuhr einem „Echo Online“-Nutzer zufolge zeitweise nur bis Mörfelden. Ein Altenheim in Esch III musste am Abend teil-evakuiert werden (s. zusätzlicher Bericht), weil das Unwetter ein großes Stück des Daches fortgerissen und mehrere Zimmer unbewohnbar gemacht hatte. Die 40 Bewohner wurden in andere Heime in der Umgebung verlegt.
In Leeheim hat der Sturm das rund zehn mal 30 Meter große Dach auf der Westseite der Grundschule komplett abgehoben, es über das Gebäude geschleudert und knapp 30 Meter weiter auf einer Wiese niederkrachen lassen. Wie Wehrführer Jürgen Dörr berichtet, dichteten seine Leute nicht nur die beschädigte Stelle mit einer Plane provisorisch ab, sondern auch mit Wassersaugern das aufnehmen, was von dem Regenguss durch die Lücke gedrungen war. Darüber hinaus, so Dörr, seien in dem Stadtteil an mehreren Häusern Dachziegel abgedeckt worden, an einigen landwirtschaftlichen Gebäuden auch auf größerer Fläche.
Erhebliche Schäden gab es auch in Büttelborn. Im Neubaugebiet Am Grünen Weg wurden Ziegel von den Dächern gewirbelt und Terrassenmöbel vom Wind fortgetragen. Das heftige Gewitter ließ die frischgemauerte Zwischenwand eines Doppelhauses in der Stauffenbergstraße einstürzen, im Bonhoefferweg löste sich ein Baugerüst. Die Feuerwehren sind derzeit noch im Dauereinsatz. Besonders viel zu tun haben sie in Büttelborn und Klein-Gerau. Worfelden scheint dagegen relativ glimpflich davongekommen zu sein.
Auf der Landesstraße von Büttelborn nach Griesheim ist ein Lastwagenanhänger umgestürzt. Am Schwimmbadweg in Mörfelden ist ein Baum auf ein Auto gefallen. An der Büttelborner Kirche droht ein Baum umzustürzen. Ein ähnliches Bild bietet sich am evangelischen Kindergarten in Mörfelden. Dort ist fraglich, ob eine große Kastanie noch länger stehenbleibt. „Umgestürzte Bäume, volle Keller, blockierte Straßen: Wir haben hier die ganze Bandbreite“, sagt Mörfeldens Feuerwehrsprecher Theo Herrmann. Allein für Walldorf meldet die Feuerwehr zudem drei Blitzeinschläge.
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gab es im westlichen und nördliche Teil zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und vollgelaufener Keller, wie die Kreisfeuerwehr berichtet. Zudem mussten die Feuerwehren auch mehrmals ausrücken, weil durch Blitzeinschläge Brandalarm gemeldet wurde. In der Zeit zwischen 17 und 18.30 Uhr verzeichnete die Zentrale Leitstelle Darmstadt-Dieburg rund 100 Feuerwehreinsätze.

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26. August 2011  | dirk

Das Dach ist weg, der Unterricht geht weiter

Unwetter: Leeheimer Grundschule bekommt Container, bis Reparatur abgeschlossen ist

RIEDSTADT. 


Die Gewitterfront, die am späten Mittwochnachmittag mit Starkregen und Sturmböen über mehrere Bundesländer hinwegfegte, hat auch das Ried gestreift (wir berichteten). Von dem Unwetter betroffen war vor allem Riedstadt: Die Westseite der Leeheimer Grundschule stand nach dem Sturm oben ohne da, nachdem die Naturgewalt das halbe Dach des Neubaus abgedeckt und ein gutes Stück weit weggeschleudert hatte. Trotz dieses Schadens ist an der Schule kein Unterricht ausgefallen, berichtete Kreispressesprecher Jochem Kahl gestern auf ECHO-Nachfrage. Klassen seien kurzfristig zusammengelegt worden.
Der Neubau sei – so Kahl – gesperrt worden. Bis die Dachreparatur abgeschlossen ist, soll der Schule ein Container zur Verfügung gestellt werden. Den entstandenen Schaden vermochte Kahl noch nicht zu beziffern.
Wie Olaf Hartung von der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Wolfskehlen berichtet, waren die Einsatzkräfte dort mit drei Fahrzeugen unterwegs. 28 Einsätze bewältigten sie von 17.10 bis 21.30 Uhr in dem Stadtteil. Laut Hartung richtete das Unwetter ausschließlich Sturm-, aber keine Wasserschäden an. Vielerorts waren Dächer beschädigt.
Und immer wieder bekamen es die Einsatzkräfte mit Bäumen zu tun, denen Sturmböen zugesetzt hatten. Abgebrochene Äste waren auf Autos gekracht und hatten dabei teils erhebliche Schäden angerichtet: Eine zerstörte Windschutzscheibe, eine eingedellte Motorhaube, eine eingedrückte Heckklappe und diverse andere Blechblessuren stellten die Feuerwehrleute fest. Aus den anderen Riedstädter Stadtteilen ist Stadtbrandinspektor Klaus Hochmuth nicht bekannt, dass dort Autos beschädigt wurden. Jeweils 15 Einsätze fuhren die Wehren in Goddelau und Leeheim, wie Hochmuth mitteilt. Weniger stark vom Unwetter betroffen waren Erfelden und Crumstadt, wo die Einsatzkräfte laut Hochmuth drei- beziehungsweise einmal ausrückten. Auch dort ließen Sturmböen Äste abbrechen und Dachziegel herunterfallen.

Die Stadtverwaltung rät dringend davon ab, zurzeit Wege im Außenbereich zu benutzen, an denen große Bäumen stehen. Es bestehe möglicherweise Lebensgefahr. Nach dem Sturm lägen teilweise noch gebrochene Äste in den Baumkronen, und es könne auch bei Windstille jederzeit zu Astbruch kommen. Wegen des großen Umfangs aller Arbeiten werde es einige Zeit dauern, bis Schäden behoben und gefallene Äste beseitigt sind. Alle Absperrungen sollten unbedingt ernst genommen werden.
Von unter Wasser gesetzten Kellern blieb Riedstadt dagegen verschont, so Klaus Hochmuth. Und – ganz wichtig: Menschen seien nicht zu Schaden gekommen. /wig

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27. August 2011  | amo

„Wir tanzen noch auf allen Hochzeiten“

Ortstermin: Bundestagsabgeordneter Franz Josef Jung (CDU) informiert sich bei der DLRG-Ortsgruppe am Riedsee

LEEHEIM. 

Die Leeheimer DLRG-Station am Riedsee besuchte MdB Franz Josef Jung am Donnerstagnachmittag. Beim Rundgang durch das Gebäude zeigte ihm Vorsitzender Gerald Lohr (Zweiter von links) zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Jochen Dill und Torsten Wiesenäcker (rechts) das neue Sonargerät der Lebensretter. Foto: Robert Heiler

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Die Leeheimer DLRG-Station am Riedsee besuchte MdB Franz Josef Jung am Donnerstagnachmittag. Beim Rundgang durch das Gebäude zeigte ihm Vorsitzender Gerald Lohr (Zweiter von links) zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Jochen Dill und Torsten Wiesenäcker (rechts) das neue Sonargerät der Lebensretter. Foto: Robert Heiler


Am Anfang gab es ein Zelt, ein Ruderboot, einen Verbandskasten und 170 Mitglieder. Ein Jahr vor ihrem 40. Geburtstag hat die DRLG-Ortsgruppe Leeheim eine in Eigenregie mehrfach erweiterte Station am Riedsee, 600 Mitglieder, mit 21 Einsatztauchern eine der größten Tauchergruppen in Hessen, ist auch Landesschulungsstätte „und sehr stolz auf unsere Jugendarbeit“, berichtete Vorsitzender Gerald Lohr dem Bundestagsabgeordneten Franz Josef Jung (CDU). 50 Kinder seien zurzeit in der Schwimmausbildung.
Der frühere Bundesverteidigungsminister war am Donnerstagnachmittag in seinen Wahlkreis gekommen, um sich am Riedsee über die Arbeit der Lebensretter zu informieren. Der Vorsitzende führte Jung gemeinsam mit Kassenwart Jochen Dill und Torsten Wiesenäcker, dem Technischen Leiter Ausbildung, durch die Station mit Einsatzzentrale, Sanitätsraum, Wagenhalle und Bootsgarage.
„Wir sind eine der wenigen Ortsgruppen, die noch auf allen Hochzeiten tanzen“, sagte Lohr. So engagieren sich die Leeheimer in der Schwimmausbildung, aber auch in der Rettung und im Katastrophenschutz. Der Riedsee ist zudem ein beliebter Standort für überregionale Ausbildung. Am Wochenende und an Feiertagen übernimmt die Ortsgruppe den Wachdienst am Riedsee, ist aber auch zuständig für den Altrhein bis Erfelden und den Rheinabschnitt von Kornsand bis Höhe Stockstadt. „Wobei wir bei größeren Katastrophen natürlich auch weiter entfernt zur Unterstützung kommen“, erklärte Dill. Nicht zu vergessen seien auch die übrigen Badeseen in der Umgebung, zu denen sie im Notfall ausrücken würden.
In der Einsatzzentrale mit Blick über den Riedsee präsentierten die Wasserretter Franz Josef Jung ihre analogen Funkgeräte für die Wachgänger mit einer Reichweite bis zu Rhein und Altrhein. Wegen der bevorstehenden Digitalisierung des BOS-Funks wurden Neuanschaffungen gestoppt – mit der Folge, dass es mittlerweile von ursprünglich 14 nur noch acht Funkgeräte gibt. Da die Digitalisierung weiter auf sich warten lässt, steht die Ortsgruppe vor der schwierigen Entscheidung: Doch noch investieren oder lieber abwarten? „Jetzt noch um die 6000 Euro zu investieren, ist so eine Sache, vor allem wenn es dann doch noch schnell gehen sollte. Aber wir dürfen natürlich auch nicht handlungsunfähig werden“, verdeutlichte Lohr die Problematik.
Im großen Versammlungsraum zeigte Lohr den ganzen Stolz der Ortsgruppe: Ein im vergangenen Jahr angeschafftes Sonar-Unterwassergerät, mit dem im Wasser liegende Gegenstände und Personen geortet werden können. „Nicht ganz einfach zu bedienen, aber eine tolle Sache“, schwärmte er. Bei der Probefahrt im Rhein ortete das Gerät gleich ein altes Schiff am Kornsand. „Es wird zur Zeit noch untersucht, aber es ist auf jeden Fall richtig alt, das lag da nicht erst seit 40 Jahren“, so Lohr.
Mit Fuhrpark und Rettungsbooten ist die Ortsgruppe mittlerweile gut ausgestattet, aber es hapert noch bei der persönlichen Ausrüstung wie Schuhen oder dicken Jacken. „Die Leute denken immer, dass wir nur bei guten Wetter aktiv sind. Aber wir müssen ja auch zu Sturmeinsätzen oder Eisrettung“, erklärte Wiesenäcker. Beim Wachdienst am Riedsee müssen die Retter erfreulicherweise vor allem bei Mückenstichen und Sand im Auge helfen. „Aber wir hatten hier auch schon alles andere von Herzinfarkt bis lebensbedrohendem Hitzschlag“, berichtete Lohr.
Jung zeigte sich tief beeindruckt von dem großen ehrenamtlichen Engagement der Ortsgruppe, die auf bis zu 1000 Einsatzstunden im Jahr leistet.

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29. August 2011  | arc

Bandmarathon am Riedsee

Wutzdog-Festival: 1200 Besucher kommen trotz des unbeständigen Wetters nach Leeheim – Dringend Helfer gesucht

RIEDSTADT. 

Das Wetter machte am Samstag dem Wutzdog-Festival schwer zu schaffen und verhinderte wohl größeren Zuspruch. 13 Gruppen aus ganz Hessen spielten auf zwei  Bühnen, die aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr mit größerem Abstand zu dem kleinen Wäldchen am Riedsee aufgestellt worden waren.   Foto: Robert Heiler

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Das Wetter machte am Samstag dem Wutzdog-Festival schwer zu schaffen und verhinderte wohl größeren Zuspruch. 13 Gruppen aus ganz Hessen spielten auf zwei Bühnen, die aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr mit größerem Abstand zu dem kleinen Wäldchen am Riedsee aufgestellt worden waren. Foto: Robert Heiler


13 Bands spielten am Samstag beim mittlerweile elften Wutzdog-Festival in Riedstadt. Veranstaltungsort war zum sechsten Mal das Naherholungsgebiet am Riedsee, nachdem man die ersten fünf Festivals auf einem Bauernhof in der Nähe abgehalten hatte. Rund 1200 Besucher fanden dieses Mal den Weg nach Leeheim.
Höhepunkte waren dabei sicher die Auftritte von Elf Morgen und Immergrün, die für Begeisterung bei den Besuchern sorgten.

Zu kämpfen hatten jedoch die Organisatoren, denn das Wetter spielte nur bedingt mit. Immer wieder gingen Schauer nieder und weichten den schon recht matschigen Untergrund noch mehr auf. Dies schlug sich auch auf die Zuschauerzahlen nieder, auch wenn sicher viele hartgesottene Festivalfans wie immer vom Wetter unabhängig den Weg nach Leeheim fanden.
Gegen 12 Uhr wurde das Festival von dem Jugendblasorchester des FC Germania Leeheim, genannt Germania X-Brass, eröffnet, und für die nächsten zwölf Stunden gab es Musik satt. 13 Bands spielten bei freiem Eintritt und sorgten so für eine hervorragende Stimmung unter den Gästen. „Wir hatten so rund 1200 Zuschauer erwartet, die sind auch gekommen“, erklärte Stefan Scheurich, einer der 87 ehrenamtlichen Helfer des Festivals. „Vergangenes Jahr hatten wir schon richtig Pech mit dem Wetter, daher ist es dieses Jahr schon eine Verbesserung.“
Normalerweise spendet der Verein Wutzdog den Gewinn der Veranstaltung einem guten Zweck wie der Jugendpsychiatrie oder der Nachwuchsarbeit der lokalen Vereine, doch war dies 2010 aufgrund der wenigen Besucher und somit geringen Umsätze nur sehr eingeschränkt möglich. „Da haben wir aus unseren Rücklagen eine Spende an das Drk und die Feuerwehr gemacht, eben Organisationen, die uns bei der Organisation des Festivals hier vor Ort unterstützt haben“, so Scheurich weiter. Ob und wer dieses Jahr in den Genuss einer Spende kommen wird, das steht noch nicht fest, denn nach der Erfahrung des vergangenen Jahrs halten sich die Organisatoren mit Ankündigungen zurück und wollen erst den berühmten Strich darunter machen, bevor sie weitere Schritte planten.
Wie es mit dem Festival weitergeht, ist allerdings ungewiss. Zwar klingen 87 ehrenamtliche Helfer nach einer Menge engagierter Mitglieder, doch gerade die Arbeit im Vorfeld ist es, die den Vereinsmitgliedern Schwierigkeiten bereitet.
So sei es weniger ein Problem, die Bühnen aufzubauen, die Technik anzuschließen und die Getränkestände zu besetzen, als die Bands zu buchen, die Getränkemengen zu organisieren, die Zeitpläne zu erstellen und die Genehmigungen einzuholen. Zahlreiche wichtige Aufgaben fielen in der Vergangenheit dem Vorsitzenden Roland Arndt zu, der allerdings schon angekündigt hatte, dass dies aus privaten Gründen sein letztes Wutzdog-Festival in dieser Funktion sein wird.
Eine Gitarre in Wutzdog-Lackierung mit den Unterschriften der Helfer bekam Arndt für sein großes Engagement in den vergangenen Jahren überreicht. „Ich wünsche mir, dass dieses Festival von den verbleibenden Mitgliedern auch weiterhin so erfolgreich fortgeführt wird. Für eine Schicht am Bierstand bin ich auf jeden Fall noch zu haben“, sagte er seinen Helfern, sichtlich gerührt von diesem Geschenk.
Arndt ist eines der Gründungsmitglieder des Wutzdog-Vereins und hat sich auch davor schon maßgeblich für die Veranstaltung eingesetzt, als diese noch in privatem Rahmen auf dem Hof von Walter Bonn in Leeheim stattfand. Da er viel Zeit für das Festival in der Vorbereitungsphase investiert hat, entstehen dem Verein nun enorme Lücken, die er nicht allein mit Hilfe der eigenen Mitglieder schließen kann. „Wer also Lust hat, hinter die Kulissen eines derartigen Festivals zu blicken und mit uns an diesem Festival, nicht nur am Veranstaltungstag, sondern insbesondere auch während den Vorbereitungen mitwirken will, sollte nicht zögern, sich bei uns zu melden. Wir werden innerhalb der kommenden zwei Monate entscheiden, ob wir mit unseren Kräften das Festival weiterführen können“, sagte Scheurich abschließend.

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