22. August 2011 | Von Lotte Schüler
„Oh, wie schön! Tausende von Muscheln“
„Strandgut“: Bei einer Familienwanderung lernen Teilnehmer
Wissenswertes über Pflanzen, Tiere und Steine am Rhein
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Was sich am Rheinufer so findet, nahmen die Teilnehmer einer „Strandgut“-
Exkursion am Samstagnachmittag in Augenschein. Förster Ralph Baumgärtel
(Zweiter von links) gab Erläuterungen zu den Funden. Foto: Robert
Heiler
„Oh wie schön! Muscheln, tausende von Muscheln!“ Joshua (sieben
Jahre) ist begeistert, als er den Strand in der Knoblochsaue erreicht
und am Ufer einen eindrucksvollen Saum mit Schalen der Flussbewohner
entdeckt.
Ralph Baumgärtel, Revierleiter im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue,
führt am Sonntagnachmittag zwölf Teilnehmer zum „Stromern am
Strand“ an den unbefestigten Abschnitt des Rheinufers. Joshua beginnt
sofort mit dem Sammeln von Muscheln, während die Erwachsenen etwas über
die Geschichte der Tiere erfahren. „Das sind zwei Arten der Körbchenmuschel“,
erläutert Baumgärtel „die wurden erst in den neunziger Jahren bei
uns eingeschleppt – wahrscheinlich mit Ballastwasser von Schiffen aus
dem Schwarzen Meer – und haben die heimische Dreiecksmuschel verdrängt.
Mit dem Verschwinden der Dreiecksmuscheln wurde auch die Tauchente
seltener, denn der fehlt jetzt ihr Lieblingsfutter.“ Baumgärtel zeigt
noch mehr Beispiele für Vernetzungen in der Natur auf: „Silberweide
und Schwarzpappel können nur auf offenen Böden wie hier am Strand
siedeln, ohne Konkurrenz mit anderen Pflanzen“, erklärt der Förster.
„Und mit den Bäumen kommen auch die zugehörigen Tiere.“
Joshua nutzt inzwischen den feinen Sand zum Bau einer Burg, während
Baumgärtel eine weitere Besonderheit der Silberweide erwähnt: Der Baum
übersteht bis zu 100 Tage Überflutung im Jahr ebenso wie die Überlagerung
mit Treibholz. Der Fluss hat gerade wenig Wasser. Er kann aber über
zwei Meter höher stehen – kaum vorstellbar an diesem sonnigen
Nachmittag. Weiden erschließen zudem neues Land: Mit Wurzelausläufern
und neuen Sprossen testet der Baum, wie weit er ans Ufer vorrücken
kann. „Wir haben hier ein hochdynamisches System; der Boden wird durch
Wasser und Eis laufend geändert“, weist der Förster auf die
Besonderheit dieses Strandabschnitts hin. Heute seien 98 Prozent des
Rheinufers befestigt, da gebe es kaum Entwicklungsmöglichkeiten für
die Natur. Er hofft deshalb darauf, dass weitere Uferabschnitte
entsiegelt werden und neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen
entstehen.
Geschichten ganz anderer Art erzählen die Steine. Geopark-Rangerin
Claudia Warwel kennt sich damit bestens aus. „Vom Fluss transportiere
Steine sind rund, die eckigen sind auf andere Weise hierher gekommen“,
weist die Rangerin auf wichtige Unterscheidungsmerkmale hin. Helle,
flache Steine sind wahrscheinlich Bruchstücke von Kalksedimenten, also
Ablagerungen urzeitlicher Muscheln. Ein Test mit verdünnter Salzsäure
beweist, dass es sich tatsächlich um Kalk handelt – der Stein schäumt
beim Kontakt mit der Säure.
Quarzkiesel waren wahrscheinlich die Gangfüllung eines größeren
Gesteinsbrockens, der schon verwittert ist. Einige schwarze Steine
stammen aus dem Sediment von Radiolarien (Strahlentierchen), ebenfalls
frühere Meeresbewohner, und sind von den Alpen bis Riedstadt geschwemmt
worden. Sandsteine kommen aus dem Schwarzwald, Granit aus dem Odenwald.
„Die Flussgeschichte kann man anhand von Steinen nachvollziehen“,
sagt Baumgärtel, und Claudia Warwel untermauert das mit Hilfe einer
geologischen Karte des Rheingrabens.
Für Joshua sind eindeutig die Tiere interessanter. Als Strandlauf-Käfer
über den offenen Sand flitzen, versucht er, eines der räuberischen
Insekten zu fangen. Doch die Käfer die entziehen sich ihm durch
blitzschnellen Abflug. Einfacher ist das Aufspüren von kleinen
Bachflohkrebsen, die sich unter großen Steinen im Fluss verstecken.
„Die Wasserqualität des Rheins ist wieder so gut, dass sich 40
Fischarten angesiedelt haben“, berichtet der Förster, „und für
einige Arten sind diese Krebse Futter.“ Auch ein Frosch schwimmt im
seichten Uferwasser. Selbst der sei vermutlich bald Fischfutter: „Der
ist hier untypisch, der lebt in stehenden Tümpeln und hat hier keine
Chance.“
Als die Gruppe auf dem Rückweg über den Uferwall eine auf den ersten
Blick unscheinbare heimische Orchidee bewundert, den Breitblättrigen
Stendelwurz, zieht es Joshua wieder zum Strand, so groß ist die
Faszination der vielen Muscheln.
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Abgedeckte Dächer,
ausgerissene Bäume und gestoppte Autos
Unwetter: Am heftigsten traf es den Kreis Groß-Gerau – Aufräumarbeiten
dauern am Donnerstag weiter an
Abgehoben: Das kurze, aber heftige Gewitter am
Mittwochnachmittag hat das Dach von der Westseite des Grundschul-Neubaus
in Leeheim abgedeckt und rund 30 Meter weit in den Schulagerten
getragen. Foto: Robert Heiler
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Das schwere Unwetter am späten Mittwochnachmittag traf vor allem den
Kreis Groß-Gerau mit etlichen Schäden. Auf der Bahnstrecke
Mainz-Aschaffenburg blockierte ein umgestürzter Baum die Schienen,
der Zugverkehr kam bis in den Abend zum Erliegen. Foto: Alexander
HeimannAlexander Heimann
Eine Gewitterfront, die am späten Mittwochnachmittag über Südhessen
gezogen ist, hat für etliche Schäden und Beeinträchtigungen im
Verkehr gesorgt. In Darmstadt mussten Feuerwehr und THW mehrmals
ausrücken und abgerissene Äste von den Fahrbahnen räumen. Zudem waren
einige Keller vollgelaufen. Größere Schäden gab es laut Auskunft der
Polizei nicht, verletzt wurde niemand. Auch im Odenwaldkreis und
in Rüsselsheim kam es zu keinen nennenswerten Schäden durch das
Gewitter.
Etwas turbulenter sah es im Kreis Bergstraße aus: Die Riedbahn
(Frankfurt-Mannheim) musste gegen 18 Uhr zwischen Groß-Gerau-Dornberg
und Lampertheim gesperrt werden, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Auch
auf der Main-Neckar-Bahn kam es zwischen Darmstadt und Mannheim zu Verspätungen.
In Viernheim, Lampertheim-Hofheim und Lampertheim-Hüttenfeld, Bürstadt-Bobstadt
und Bensheim mussten die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume und
Wassermassen ausrücken. Die Einsätze waren aber meist schnell beendet.
Große Schäden gibt es hingegen im Kreis Groß-Gerau. Wegen auf
die Fahrbahn gestürzter Bäume auf der A 67 zwischen Groß-Gerau und Büttelbornwar
diese bis in den Abend hinein nur einspurig befahrbar. Dadurch ergab
sich im Feierabendverkehr ein Rückstau von 16 Kilometern Länge bis zum
Mönchhof-Dreieck, teilweise stockte es auch später noch am Rüsselsheimer
Kreuz. Zwischen Groß-Gerau und Klein-Gerau war die Zugstrecke
Mainz-Darmstadt wegen eines umgefallenen Baums blockiert. Die Zugstrecke
von Frankfurt aus in Richtung Süden über Groß-Gerau-Dornberg wurde
nach ECHO-Informationen wohl ebenfalls vorübergehend gesperrt; die
S-Bahn aus Frankfurt nach Darmstadt fuhr einem „Echo Online“-Nutzer
zufolge zeitweise nur bis Mörfelden. Ein Altenheim in Esch III musste
am Abend teil-evakuiert werden (s. zusätzlicher Bericht), weil das
Unwetter ein großes Stück des Daches fortgerissen und mehrere Zimmer
unbewohnbar gemacht hatte. Die 40 Bewohner wurden in andere Heime in der
Umgebung verlegt.
In Leeheim hat der Sturm das rund zehn mal 30 Meter große Dach auf der
Westseite der Grundschule komplett abgehoben, es über das Gebäude
geschleudert und knapp 30 Meter weiter auf einer Wiese niederkrachen
lassen. Wie Wehrführer Jürgen Dörr berichtet, dichteten seine Leute
nicht nur die beschädigte Stelle mit einer Plane provisorisch ab,
sondern auch mit Wassersaugern das aufnehmen, was von dem Regenguss
durch die Lücke gedrungen war. Darüber hinaus, so Dörr, seien in dem
Stadtteil an mehreren Häusern Dachziegel abgedeckt worden, an einigen
landwirtschaftlichen Gebäuden auch auf größerer Fläche.
Erhebliche Schäden gab es auch in Büttelborn. Im Neubaugebiet Am Grünen
Weg wurden Ziegel von den Dächern gewirbelt und Terrassenmöbel vom
Wind fortgetragen. Das heftige Gewitter ließ die frischgemauerte
Zwischenwand eines Doppelhauses in der Stauffenbergstraße einstürzen,
im Bonhoefferweg löste sich ein Baugerüst. Die Feuerwehren sind
derzeit noch im Dauereinsatz. Besonders viel zu tun haben sie in Büttelborn
und Klein-Gerau. Worfelden scheint dagegen relativ glimpflich
davongekommen zu sein.
Auf der Landesstraße von Büttelborn nach Griesheim ist ein
Lastwagenanhänger umgestürzt. Am Schwimmbadweg in Mörfelden ist ein
Baum auf ein Auto gefallen. An der Büttelborner Kirche droht ein Baum
umzustürzen. Ein ähnliches Bild bietet sich am evangelischen
Kindergarten in Mörfelden. Dort ist fraglich, ob eine große Kastanie
noch länger stehenbleibt. „Umgestürzte Bäume, volle Keller,
blockierte Straßen: Wir haben hier die ganze Bandbreite“, sagt Mörfeldens
Feuerwehrsprecher Theo Herrmann. Allein für Walldorf meldet die
Feuerwehr zudem drei Blitzeinschläge.
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gab es im westlichen und nördliche
Teil zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer
und vollgelaufener Keller, wie die Kreisfeuerwehr berichtet. Zudem
mussten die Feuerwehren auch mehrmals ausrücken, weil durch
Blitzeinschläge Brandalarm gemeldet wurde. In der Zeit zwischen 17 und
18.30 Uhr verzeichnete die Zentrale Leitstelle Darmstadt-Dieburg rund
100 Feuerwehreinsätze.
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Das Dach ist weg, der
Unterricht geht weiter
Unwetter: Leeheimer Grundschule bekommt Container, bis Reparatur
abgeschlossen ist
RIEDSTADT.
Die Gewitterfront, die am späten Mittwochnachmittag mit Starkregen und
Sturmböen über mehrere Bundesländer hinwegfegte, hat auch das Ried
gestreift (wir berichteten). Von dem Unwetter betroffen war vor allem
Riedstadt: Die Westseite der Leeheimer Grundschule stand nach dem Sturm
oben ohne da, nachdem die Naturgewalt das halbe Dach des Neubaus
abgedeckt und ein gutes Stück weit weggeschleudert hatte. Trotz dieses
Schadens ist an der Schule kein Unterricht ausgefallen, berichtete
Kreispressesprecher Jochem Kahl gestern auf ECHO-Nachfrage. Klassen
seien kurzfristig zusammengelegt worden.
Der Neubau sei – so Kahl – gesperrt worden. Bis die Dachreparatur
abgeschlossen ist, soll der Schule ein Container zur Verfügung gestellt
werden. Den entstandenen Schaden vermochte Kahl noch nicht zu beziffern.
Wie Olaf Hartung von der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Wolfskehlen
berichtet, waren die Einsatzkräfte dort mit drei Fahrzeugen unterwegs.
28 Einsätze bewältigten sie von 17.10 bis 21.30 Uhr in dem Stadtteil.
Laut Hartung richtete das Unwetter ausschließlich Sturm-, aber keine
Wasserschäden an. Vielerorts waren Dächer beschädigt.
Und immer wieder bekamen es die Einsatzkräfte mit Bäumen zu tun, denen
Sturmböen zugesetzt hatten. Abgebrochene Äste waren auf Autos gekracht
und hatten dabei teils erhebliche Schäden angerichtet: Eine zerstörte
Windschutzscheibe, eine eingedellte Motorhaube, eine eingedrückte
Heckklappe und diverse andere Blechblessuren stellten die Feuerwehrleute
fest. Aus den anderen Riedstädter Stadtteilen ist Stadtbrandinspektor
Klaus Hochmuth nicht bekannt, dass dort Autos beschädigt wurden.
Jeweils 15 Einsätze fuhren die Wehren in Goddelau und Leeheim, wie
Hochmuth mitteilt. Weniger stark vom Unwetter betroffen waren Erfelden
und Crumstadt, wo die Einsatzkräfte laut Hochmuth drei- beziehungsweise
einmal ausrückten. Auch dort ließen Sturmböen Äste abbrechen und
Dachziegel herunterfallen.
Die Stadtverwaltung rät dringend davon ab, zurzeit Wege im Außenbereich
zu benutzen, an denen große Bäumen stehen. Es bestehe möglicherweise
Lebensgefahr. Nach dem Sturm lägen teilweise noch gebrochene Äste in
den Baumkronen, und es könne auch bei Windstille jederzeit zu Astbruch
kommen. Wegen des großen Umfangs aller Arbeiten werde es einige Zeit
dauern, bis Schäden behoben und gefallene Äste beseitigt sind. Alle
Absperrungen sollten unbedingt ernst genommen werden.
Von unter Wasser gesetzten Kellern blieb Riedstadt dagegen verschont, so
Klaus Hochmuth. Und – ganz wichtig: Menschen seien nicht zu Schaden
gekommen. /wig
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„Wir tanzen noch auf allen Hochzeiten“
Ortstermin: Bundestagsabgeordneter Franz Josef Jung (CDU) informiert
sich bei der DLRG-Ortsgruppe am Riedsee
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Die Leeheimer DLRG-Station am Riedsee besuchte MdB Franz Josef Jung am
Donnerstagnachmittag. Beim Rundgang durch das Gebäude zeigte ihm
Vorsitzender Gerald Lohr (Zweiter von links) zusammen mit den
Vorstandsmitgliedern Jochen Dill und Torsten Wiesenäcker (rechts) das
neue Sonargerät der Lebensretter. Foto: Robert Heiler
Am Anfang gab es ein Zelt, ein Ruderboot, einen Verbandskasten und 170
Mitglieder. Ein Jahr vor ihrem 40. Geburtstag hat die DRLG-Ortsgruppe
Leeheim eine in Eigenregie mehrfach erweiterte Station am Riedsee, 600
Mitglieder, mit 21 Einsatztauchern eine der größten Tauchergruppen in
Hessen, ist auch Landesschulungsstätte „und sehr stolz auf unsere
Jugendarbeit“, berichtete Vorsitzender Gerald Lohr dem
Bundestagsabgeordneten Franz Josef Jung (CDU). 50 Kinder seien zurzeit
in der Schwimmausbildung.
Der frühere Bundesverteidigungsminister war am Donnerstagnachmittag in
seinen Wahlkreis gekommen, um sich am Riedsee über die Arbeit der
Lebensretter zu informieren. Der Vorsitzende führte Jung gemeinsam mit
Kassenwart Jochen Dill und Torsten Wiesenäcker, dem Technischen Leiter
Ausbildung, durch die Station mit Einsatzzentrale, Sanitätsraum,
Wagenhalle und Bootsgarage.
„Wir sind eine der wenigen Ortsgruppen, die noch auf allen Hochzeiten
tanzen“, sagte Lohr. So engagieren sich die Leeheimer in der
Schwimmausbildung, aber auch in der Rettung und im Katastrophenschutz.
Der Riedsee ist zudem ein beliebter Standort für überregionale
Ausbildung. Am Wochenende und an Feiertagen übernimmt die Ortsgruppe
den Wachdienst am Riedsee, ist aber auch zuständig für den Altrhein
bis Erfelden und den Rheinabschnitt von Kornsand bis Höhe Stockstadt.
„Wobei wir bei größeren Katastrophen natürlich auch weiter entfernt
zur Unterstützung kommen“, erklärte Dill. Nicht zu vergessen seien
auch die übrigen Badeseen in der Umgebung, zu denen sie im Notfall ausrücken
würden.
In der Einsatzzentrale mit Blick über den Riedsee präsentierten die
Wasserretter Franz Josef Jung ihre analogen Funkgeräte für die Wachgänger
mit einer Reichweite bis zu Rhein und Altrhein. Wegen der bevorstehenden
Digitalisierung des BOS-Funks wurden Neuanschaffungen gestoppt – mit
der Folge, dass es mittlerweile von ursprünglich 14 nur noch acht
Funkgeräte gibt. Da die Digitalisierung weiter auf sich warten lässt,
steht die Ortsgruppe vor der schwierigen Entscheidung: Doch noch
investieren oder lieber abwarten? „Jetzt noch um die 6000 Euro zu
investieren, ist so eine Sache, vor allem wenn es dann doch noch schnell
gehen sollte. Aber wir dürfen natürlich auch nicht handlungsunfähig
werden“, verdeutlichte Lohr die Problematik.
Im großen Versammlungsraum zeigte Lohr den ganzen Stolz der Ortsgruppe:
Ein im vergangenen Jahr angeschafftes Sonar-Unterwassergerät, mit dem
im Wasser liegende Gegenstände und Personen geortet werden können.
„Nicht ganz einfach zu bedienen, aber eine tolle Sache“, schwärmte
er. Bei der Probefahrt im Rhein ortete das Gerät gleich ein altes
Schiff am Kornsand. „Es wird zur Zeit noch untersucht, aber es ist auf
jeden Fall richtig alt, das lag da nicht erst seit 40 Jahren“, so
Lohr.
Mit Fuhrpark und Rettungsbooten ist die Ortsgruppe mittlerweile gut
ausgestattet, aber es hapert noch bei der persönlichen Ausrüstung wie
Schuhen oder dicken Jacken. „Die Leute denken immer, dass wir nur bei
guten Wetter aktiv sind. Aber wir müssen ja auch zu Sturmeinsätzen
oder Eisrettung“, erklärte Wiesenäcker. Beim Wachdienst am Riedsee müssen
die Retter erfreulicherweise vor allem bei Mückenstichen und Sand im
Auge helfen. „Aber wir hatten hier auch schon alles andere von
Herzinfarkt bis lebensbedrohendem Hitzschlag“, berichtete Lohr.
Jung zeigte sich tief beeindruckt von dem großen ehrenamtlichen
Engagement der Ortsgruppe, die auf bis zu 1000 Einsatzstunden im Jahr
leistet.
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Bandmarathon am Riedsee
Wutzdog-Festival: 1200 Besucher kommen trotz des unbeständigen
Wetters nach Leeheim – Dringend Helfer gesucht
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Das Wetter machte am Samstag dem Wutzdog-Festival schwer zu schaffen
und verhinderte wohl größeren Zuspruch. 13 Gruppen aus ganz Hessen
spielten auf zwei Bühnen, die aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr
mit größerem Abstand zu dem kleinen Wäldchen am Riedsee aufgestellt
worden waren. Foto: Robert Heiler
13 Bands spielten am Samstag beim mittlerweile elften Wutzdog-Festival
in Riedstadt. Veranstaltungsort war zum sechsten Mal das
Naherholungsgebiet am Riedsee, nachdem man die ersten fünf Festivals
auf einem Bauernhof in der Nähe abgehalten hatte. Rund 1200 Besucher
fanden dieses Mal den Weg nach Leeheim.
Höhepunkte waren dabei sicher die Auftritte von Elf Morgen und Immergrün,
die für Begeisterung bei den Besuchern sorgten.
Zu kämpfen hatten jedoch die Organisatoren, denn das Wetter spielte nur
bedingt mit. Immer wieder gingen Schauer nieder und weichten den schon
recht matschigen Untergrund noch mehr auf. Dies schlug sich auch auf die
Zuschauerzahlen nieder, auch wenn sicher viele hartgesottene
Festivalfans wie immer vom Wetter unabhängig den Weg nach Leeheim
fanden.
Gegen 12 Uhr wurde das Festival von dem Jugendblasorchester des FC
Germania Leeheim, genannt Germania X-Brass, eröffnet, und für die nächsten
zwölf Stunden gab es Musik satt. 13 Bands spielten bei freiem Eintritt
und sorgten so für eine hervorragende Stimmung unter den Gästen.
„Wir hatten so rund 1200 Zuschauer erwartet, die sind auch
gekommen“, erklärte Stefan Scheurich, einer der 87 ehrenamtlichen
Helfer des Festivals. „Vergangenes Jahr hatten wir schon richtig Pech
mit dem Wetter, daher ist es dieses Jahr schon eine Verbesserung.“
Normalerweise spendet der Verein Wutzdog den Gewinn der Veranstaltung
einem guten Zweck wie der Jugendpsychiatrie oder der Nachwuchsarbeit der
lokalen Vereine, doch war dies 2010 aufgrund der wenigen Besucher und
somit geringen Umsätze nur sehr eingeschränkt möglich. „Da haben
wir aus unseren Rücklagen eine Spende an das Drk und die Feuerwehr
gemacht, eben Organisationen, die uns bei der Organisation des Festivals
hier vor Ort unterstützt haben“, so Scheurich weiter. Ob und wer
dieses Jahr in den Genuss einer Spende kommen wird, das steht noch nicht
fest, denn nach der Erfahrung des vergangenen Jahrs halten sich die
Organisatoren mit Ankündigungen zurück und wollen erst den berühmten
Strich darunter machen, bevor sie weitere Schritte planten.
Wie es mit dem Festival weitergeht, ist allerdings ungewiss. Zwar
klingen 87 ehrenamtliche Helfer nach einer Menge engagierter Mitglieder,
doch gerade die Arbeit im Vorfeld ist es, die den Vereinsmitgliedern
Schwierigkeiten bereitet.
So sei es weniger ein Problem, die Bühnen aufzubauen, die Technik
anzuschließen und die Getränkestände zu besetzen, als die Bands zu
buchen, die Getränkemengen zu organisieren, die Zeitpläne zu erstellen
und die Genehmigungen einzuholen. Zahlreiche wichtige Aufgaben fielen in
der Vergangenheit dem Vorsitzenden Roland Arndt zu, der allerdings schon
angekündigt hatte, dass dies aus privaten Gründen sein letztes
Wutzdog-Festival in dieser Funktion sein wird.
Eine Gitarre in Wutzdog-Lackierung mit den Unterschriften der Helfer
bekam Arndt für sein großes Engagement in den vergangenen Jahren überreicht.
„Ich wünsche mir, dass dieses Festival von den verbleibenden
Mitgliedern auch weiterhin so erfolgreich fortgeführt wird. Für eine
Schicht am Bierstand bin ich auf jeden Fall noch zu haben“, sagte er
seinen Helfern, sichtlich gerührt von diesem Geschenk.
Arndt ist eines der Gründungsmitglieder des Wutzdog-Vereins und hat
sich auch davor schon maßgeblich für die Veranstaltung eingesetzt, als
diese noch in privatem Rahmen auf dem Hof von Walter Bonn in Leeheim
stattfand. Da er viel Zeit für das Festival in der Vorbereitungsphase
investiert hat, entstehen dem Verein nun enorme Lücken, die er nicht
allein mit Hilfe der eigenen Mitglieder schließen kann. „Wer also
Lust hat, hinter die Kulissen eines derartigen Festivals zu blicken und
mit uns an diesem Festival, nicht nur am Veranstaltungstag, sondern
insbesondere auch während den Vorbereitungen mitwirken will, sollte
nicht zögern, sich bei uns zu melden. Wir werden innerhalb der
kommenden zwei Monate entscheiden, ob wir mit unseren Kräften das
Festival weiterführen können“, sagte Scheurich abschließend.
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